Clermont-Ferrand, November 2021

Nach dem Rendez-Vous du Carnetde Voyage bin ich noch einige Tage in Clermont-Ferrand geblieben. Am Montag zeichne ich gemeinsam mit anderern Zeichnern, die erst mittags abreisen, auf dem Platz um die Fontaine de Terrail.

After the Rendez-Vous du Carnet de Voyage I stayed in Clermont-Ferrand for a few days. On Monday I draw together with other sketchers, that only leave at noon, around the Fontaine de Terrail.

Am Dienstag stehe ich früh auf und fahre mit dem Bus nach Royat. Von dort laufe ich bis zur Talstation der Panoramabahn, die normalerweise auf den Puy de Dômes fährt. Im November hat die allerdings Pause. Es ist so neblig, dass ich maximal 50 m weit gucken kann. Ich laufe durch den Wald hoch zwischen die Vulkankuppen und auf den Puy Pariou. Ab einer bestimmten Höhe sind erst nur die Zweige der Bäume, später auch Gras, Steine, Schilder und alles mit einer scharkantigen, feinen Eisstruktur bedeckt. Ich steige an der Nordseite des Puy Pariou wieder durch schönen, nebeligen Wald ab und laufe bis Durtoil. Von dort fährt ein Bus zurück nach Clermont-Ferrand.

On Tuesday, I get up early and take the bus to Royat. From there I walk to the valley station of the panorama railway that normally goes up the Puy de Dômes, but is closed in November. It is so foggy that I can’t see more than 50 metres. I walk through the forest up between the volcanic peaks and onto Puy Pariou. From a certain height, first only the branches of the trees, later also grass, stones, signs and everything is covered with a rakish, fine ice structure. I descend on the north side of Puy Pariou again through beautiful, foggy forest and walk to Durtoil. From there, a bus takes me back to Clermont-Ferrand.

Am Mittwochmorgen sitze ich auf dem ‘Cimetière des Carmes’. Während ich zeichne, erscheint ein Mann, der selbst im Rentenalter ist und das Grab seiner Großmutter besucht, wie er mir später erzählt. Zunächst referiert er in einer Mischung aus Englisch und Französisch eine kurze Geschichte des Ortes: Die Kirche gehörte zu einem Karmelitinnenkloster, ‘Carmes’, das sich hier niedergelassen hat. Das lange Gebäude auf der rechten Seite – ich vermute, ein ehemaliges Klostergebäude – wird von der Firma Michelin als Schule für Mechaniker genutzt. Es war früher eine wichtige Einrichtung des Unternehmens, wird aber heute nur noch sporadisch genutzt. Er betonte die Rolle von Michelin als Unternehmen und Arbeitgeber für die Stadt. Er hat auch für Micheline gearbeitet, und vielleicht kennt er die Schule aus seiner eigenen Ausbildung. Er verabschiedet sich und nachdem ich meine Zeichnung beendet habe, entdecke ich direkt neben dem Friedhof das Michelin-Gebäude am Place du Carmes.

On Wednesday I am sitting on the ‘Cimetière des Carmes’. While I draw, a man appears, he, himself in an age post retirement, visits the grave of his grandmother, he later tells me. First he gives, in a mixture of english and french, a brief history of the place: The church belonged to a Convent of Carmelites, ‘Carmes’, that settled here. The long building at the right – I guess a former convent building – is used by the Michelin company as a school for mechanics. It used to be an important facility of the company, but is now only sporadically used. He emphasized the role of Michelin as company and employer for the city. He worked for Micheline too, and maybe he knows the school from his own education. He says goodbye and after I finish my drawing, I spot, right aside the cemetery, the Michelin-building at Place du Carmes.

Am frühen Nachmittag in der Nähe des historischen Zentrums – zwischen der Rue la Tour d’Auvrenge und dem Boulevard Desaix gibt es einen kleinen Platz mit einem Poseidon-Brunnen, Platanen und Bänken. Hier machen die Rider eines Essensauslieferers ihre Pausen. Auf der Bank hinter mir hören junge Menschen Musik und rauchen Gras. Leute führen Hunde aus.

After noon near the historical center – between the Rue la Tour d’Auvrenge and Boulevard Desaix is a small square with a Poseidon fountain, sycamore trees and benches. Food delivery riders take their breaks here. On the bench behind me, adolescents listen to music and smoke weed. Dogwalkers.

Ich sitze an einem Tisch vor dem ‘Coq Argenté’ am Place Saint Pierre, direkt gegenüber einer Markthalle. Es wird langsam dunkel, die Tische vor den Bistros am Platz werden rein geräumt und die Lieferautos der Marktleute tauchen auf.

I am sitting at a table in front of the ‘Coq Argenté’ on Place Saint Pierre, directly opposite a market hall. It is slowly getting dark, the tables in front of the bistros on the square are being cleared and the delivery cars of the market people appear.

Später in der (sehr netten) Bar ‘Le Bikini’ – erst ist es leer, der Wirt interessiert sich für meine Zeichnung und bald kommen Gäste, ein ‘Carnetist’ scheint hier kein ungewohnter Anblick, ich zeichne und unterhalte mich, nach einer Stunde leert sich die Kneipe wieder, und ich trinke ein letztes Bier, bevor ich ins Hotel gehe und früh am Morgen zurück nach Berlin fahre.

Later in the (very nice) bar ‘Le Bikini‘ – at first it’s empty, the landlord is interested in my drawing and soon guests arrive, a ‘carnetist’ doesn’t seem an unusual sight here, I draw and chat, after an hour the pub empties again and I have a last beer before going to the hotel and taking the train back to Berlin early next morning.

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