Jungfernheide (Nord)

Am Westufer des Flughafensees bei Reinickendorf ist eine Düne, oder, genauer, wohl der liegengebliebene Teil des Aushubs des Baggersees. Ich sitze am Westhang, See und Flughafen Tegel im Rücken, auf halber Wipfelhöhe und schaue in den Wald, also den nördlichen Teil der Jungfernheide, den der Flughafen Tegel vom bekannteren südlichen Landschaftspark dieses Namens trennt.

Abendliche Spaziergänger, ein paar Kinder rennen wild die Düne rauf und runter. Ein Mädchen entdeckt mich zeichnend, ein herbeigerufener Junge meint, ach, der malt ja nur ab. Das Mädchen findet es trotzdem schön und ich denke über ‘Abmalen’ nach, während ich endlos Laub tusche. Es ist schon ein wenig Herbst und das Laub fällt bald ab und ich bin nicht traurig darüber. Für dieses Jahr habe ich genug Laub gepinselt.

On the western shore of the airport lake near Reinickendorf is a dune, or, more precisely, probably the leftover part of the excavated material from the quarry pond. I am sitting on the western slope, lake and Tegel Airport at my back, at ‘half-tree-height’, looking into the forest, which is the northern part of the Jungfernheide, which Tegel Airport separates from the more well-known southern landscape park of that name.

Evening strollers, a few children running wildly up and down the dune. A girl discovers me drawing, a summoned boy says, oh, he’s just copying. The girl likes my drawing anyway and I think about ‘copying’ while endlessly inking leaves.

It’s a little bit of autumn already and the leaves will drop off soon and I’m not sad about it. I’ve painted enough leaves for this year.

 

Grunewald, 8 August 2020

500 Meter vom Kronprinzessinenweg und der Autobahn weg in den den Grunewald hinein – Autobahngeräusch rauscht durch die Bäume, eine tote Eiche und Moos und Kiefern und Mücken und Sonne und nur ganz selten ein Radfahrer auf dem schmalen Sandpfad, der hier vorbei führt.

500 metres away from the Kronprinzessinenweg and the motorway into the Grunewald – car traffic noise whooshes through the trees, a dead oak and moss and pine trees and midges and sun and only very rarely a cyclist on the narrow sandy path that leads by here.

Möllensee

See

Der Möllensee liegt östlich von Berlin bei Grünheide (Mark).

Am südlichen Ufer zweigt ein Stichkanal zum kleinen Kielsee ab. An der Einmündung ragen Bäume in den See. Ich klemme mich mit meinem Faltkajak zwischen knapp unter dem Wasser liegenden Bumstämmen und schaue auf den See. Kajaks und SUBs kommen vorbei, einige erkunden den Kanal. Auch Motorboote fahren hinein – deren Kielwellen versetzen mein Boot.

The Möllensee is located east of Berlin near Grünheide (Mark).

On the southern shore a canal branches off to the small Kiel Lake. At the confluence, trees jut into the lake. I clamp myself with my folding kayak between tree trunks lying just below the water and look out over the lake. Kayaks and SUBs pass by, some explore the channel. Also motorboats enter – their keel waves move my boat.

Der See ist von Wald umgeben. Ich stelle mich mit Boot unter einer am Nordufer über den See ragenden Erle vor dem Regen unter und schaue in den Uferwald, der fast überall hauptsächlich aus zum Teil sehr großen Schwarz-Erlen besteht.

The lake is surrounded by forest. I stand with boat under an alder tree that towers over the lake on the northern shore and look into the forest along the shore, which consists almost everywhere of mainly black alders, some of them very large.

Richtung Westen ist der Möllensee über eine Kette miteinander verbundenen Seen an die  Berliner Spree angeschlossen. Wir paddeln zum benachtbarten Peetzsee, an dessen West-Ende der Ort Grünheide mit Supermärkten ist. An der Einfahrt des Kanales zum nächsten See ist ein Biergarten mit Anlegestegen davor, dort warte ich.

To the west, the Möllensee is connected to the Berlin Spree by a chain of interconnected lakes. We paddle to the neighbouring Peetzsee, at the western end of which is Grünheide with supermarkets. At the entrance of the canal to the next lake is a beer garden with jetties in front of it, there I wait.

Zeltplatz

Wir verbringen zwei Nächte auf dem ‘Mölle-Süd-Camp’. Auf der Anhöhe am Ufer wohnen viele Dauercamper in teils mit Holzstrukturen überdachten Wohnwagen. Der Platzwart ist scheinbar überall gleichzeitig, immer freundlich und zeigt uns die Zeltplätze. Die sind alle auf terrassierten Flächen am Uferhang. Wir schauen nachts auf den See in Richtung Sonnenuntergang und haben es nur ein paar Schritte zur Badestelle oder den Bootsständen, an denen ich kurz vor der Abreise (erfolglos) versuche, die Haut meines Faltbootes vor dem drohenden Regen zu trocknen.

We spend two nights at the ‘Mölle-Süd-Camp’. On the hill at the shore many permanent campers live in caravans, some of them covered with wooden structures. The groundsman seems to be everywhere at once, always friendly and shows us the sites for tents. They are all on terraced areas on the slope at the shore. We look at the lake at night in the direction of sunset and have only a few steps to the bathing area or the boat stands where I (unsuccessfully) try to dry the skin of my folding boat before the threatening rain shortly before departure.

Vaalser Berg

Von der Landstraße von Gemmenich nach Vaals zweigt genau auf der Belgisch-Niederländischen Grenze ein Weg den Berg hoch, Richtung Dreiländerpunkt ab. Ich laufe im Regen durch einen dampfenden Wald und setze mich zum Schauen auf einen umgestürzten Baumstamm. Die Blätter der Eichen und Buchen fangen die Regentropfen über meinem Kopf ab, bis immer mal wieder eine Windböe das gesammelte Wasser auf meinen Kopf und mein Skizzenbuch niederprasseln läßt.

Zurück zur Landstrasse sieht man vom Weg am Waldrand über Süd-Limburg und rechts fast nach Aachen.

Kamnitz

Wir laufen von Vysoká Lípa die Kamenice (Kamnitz) bis zur Mündung in die Elbe in Hřensko hinunter. An zwei Abschnitten – der wilden Klamm und der Edmundsklamm – steigen wir in (gut mit Mitwanderern gefüllten) Boote, die von gutgelaunten Bootsführern durch die beeindruckenden Schluchten gestakt wurden. Kurz vor Hřensko finden wir eine Stelle, an der man sich ungestört an den Fluss hocken und ins Wasser schauen kann.

Neuendorfer Heide

Zwischen dem Spandauer Jagdhaus und Nieder Neuendorf verläuft der Mauerweg auf dem ehemaligen Grenzstreifen durch die Neuendorfer Heide entlang der Havel. Die politische Grenze lag in der Havel. Ich hocke zwischen Weg und Havelufer, wohl schon jenseits des Verlaufes der Vorderlandmauer, also im ehemaligen Niemandsland, auf bemoosten Grundmauern, Teile der Ruine eines Wohnhauses. Zwischen Mauertrümmern und Fliesenresten wachsen große Bäume.

From Spandauer Jagdhaus to Nieder Neuendorf the Wall Trail runs along the former border strip along the Havel through the Neuendorfer Heide. The political border was in the river Havel. I squat between the path and the banks of the Havel, probably already beyond the course of the ‘Vorderlandmauer’, in former no man’s land, on mossy foundation walls, parts of the ruins of a residential building. Large trees grow between bricks and the remains of tiles.

 

 

Hochufer

Ich bin zum ersten Mal – für ein Wochenende – auf Rügen. Es ist stürmisch. Vormittags regnet es waagrecht. Unser Ferienhäuschen ist am östlichen Rand des Jasmunder Nationalparkes, am Hochufer. Ein steiler Hang zwischen Hochweg und Ufer ist mit Buchen bewachsen, dazwischen sieht man die Ostsee. Wellen klatschen auf die Felsen am Strand.

I am on the island Ruegen for the first time. It is stormy, in the morning rain falls horizontal. Our holiday house is by the ‘Hochufer’. A steep slope between path and coastside is overgrown by beech trees. Inbetween the baltic sea. Waves splash on the rocks on the beach.