Kantstraße, 04 Juli 2020

Auf dem Bürgersteig vor den Restaurants parken Elektroroller mit grossen isolierten Boxen hinter dem Sitz. Tische werden nach und nach reingeräumt, es ist schon Mitternacht. Ein Typ raucht noch eine Zigarette, bevor er mit seinem Auto wegfährt. In den Schaukästen des Kinos, auf dessen Stufen ich hocke, hängen wieder Filmplakate mit Spielzeiten darauf.

On the sidewalk in front of the restaurants electric scooters with large insulated boxes behind the seat are parked. Tables are moved in, it is already midnight. A guy smokes one more cigarette before he drives away in his car. In the showcases of the cinema, on whose steps I squat, there are film posters with playing times on them again.

Kantstraße, 24 Juni 2020

Mittwochabend um Zehn ist der Eingang zum beinahe immer offenen ‘Verbrauchermarkt’ unter den Gleisen zwischen Kantstraße und Bahnhof Zoo natürlich erleuchtet. Auch die Currywurst-Bude daneben hat auf und es ist warm und Menschen flanieren.

Wednesday evening at ten o’clock the entrance to the almost always open ‘Verbrauchermarkt’ (consumer market) under the tracks between Kantstraße and Bahnhof Zoo is naturally illuminated. Even the Currywurst stand next to it is open and it is warm and people are strolling.

Kantstraße, 19 Juni 2020


Freitagabends hocke ich beim Ausgang der U-Bahn Wilmersdorferstraße an einer Laterne. Daneben liegt ein Haufen Elektroroller, deren Rücklichter leuchten mietbereit. Nach links gehen Leute zur U-Bahn oder kommen raus, dann springt die Rolltreppe quietschend an.

Friday night I sit at a lantern near the exit of the subway Wilmersdorferstraße. Next to me a pile of electric scooters, their taillights shining red, ready for rent. To the left, people go to the subway or come out, then the escalator starts, screeching.

Kantsraße, 17 Juni 2020

Der Koreanische Imbiß macht um Zehn zu. Die Frau, die zuvor in der engen Küche hinter dem Verkaufsfenster auf Gäste gewartet hat, kommt raus und räumt die Tische weg. Ich ziehe mit meinem koreanischen Bier und der Tusche auf den nahen Stromkasten um, als sie auch meinen Stehtisch rein räumt. Das Licht geht aus. Eine schlanke Passantin verwandelt sich vor meinen Augen langsam und unaufhaltsam in einen schwarzen, massigen und unförmigen Geist. Im Dunkeln habe ich nicht bemerkt, wie nass das Papier noch ist.

The Korean takeaway closes at 10:00. The woman, who had been waiting for guests in the narrow kitchen behind the sales window, comes out and clears the tables. I move with my Korean beer and my ink to the nearby power box, when she also puts away my bar table. The light goes out. A slim passer-by slowly and unstoppably transforms before my eyes into a black, massive and shapeless spirit. In the dark I did not notice how wet the paper still is.

Kantstraße, 16 Juni 2020

Bei meinem letzten Besuch bei McDonalds fiel mir der Blick vom Obergeschoß auf die Kreuzung der Kant- und Wilmersdorferstraße auf. Heute Abend bin ich nur zum Gucken hier – elegante Fensterreihen, historische Beschriftung über der seit Jahren mit provisorischer Baustelleinfahrt versehenen ‘Einkaufsstraße’. Im Schnellrestaurant Radiomusik, ab und zu geht jemand hier im OG auf Toilette oder Angestellte räumen Zeug weg, niemanden stört der Typ mit Kaffee- und Tuschebecher.

During my last visit to McDonalds, I was struck by the view from the top floor to the intersection of Kant- and Wilmersdorferstraße. Tonight I’m just here to watch – elegant rows of windows, historical lettering above the ‘shopping street’. In the fast food restaurant radio music, now and then someone goes to the toilet here on the upper floor or employees clear away stuff, nobody is bothered by the guy with the coffee and ink cup.

An den Kantgaragen (links hinter mir) wird herumgebaut. Der Strom dafür wird mit einer an Stahlrohrpfählen angeschellten Leitung ran geschafft. Die Pfähle stecken in rot-weiss-gestreiften Betonzylindern (auf denen es sich gut sitzt) Ein gelb markierter ‘Pop-Up-Radweg’ macht die Kantstraße neuerdings auch für Radfahrer ohne Lebensgefahr befahrbar.

The ‘Kantgarage’ (behind me on the left) are under construction. The electricity for this is supplied by a line connected to tubular steel piles. The piles are stuck in red-and-white striped concrete cylinders (on which it sits well). Lately, a yellow marked ‘pop-up cycle path’ makes the Kantstraße passable for cyclists without danger to life.

Potsdamer


In der Potsdamer Straße am nördlichen Ende des Pallasseum schrauben zwei Typen an einem auf dem Bürgersteig aufgebockten Piaggio-Dreirad herum. Zwei Andere quatschen bei den Pollern vor der Einfahrt. Ein Grauhaariger mit Zigarette und schwarzem Anzug kommt dazu. Sie gehen und der Platz wird von einem zweitürigen Mercedes, der auf dem breiten Bürgersteig parkt, eingenommen. Dessen Fahrer sieht mich und fragt, ob der Wagen störe, aber ich bin eh fertig.

In Potsdamer Straße at the northern end of the Pallasseum, two guys are tinkering with a Piaggio tricycle jacked up on the pavement. Two others are chatting at the bollards in front of the gate to the pallasseums garden. A grey-haired guy with a cigarette and a black suit joins them. They leave and the place is taken by a two-door Mercedes parked on the wide sidewalk. Its driver sees me and asks if the car blocks my view, it does, but I’m done anyway.

 

Mariannenstraße

Ich bin gucken gefahren. Kreuzberg ist noch da.

I had a look. Kreuzberg is still there.

In der Mariannenstraße kann man drinnen in einem Café einzeln Kaffee kaufen. An den Bänken kleben Schilder, auf denen steht, wo man sich setzen darf und wo nicht.

In Mariannenstraße you can buy coffee separately inside a café. There are signs on the benches telling you where to sit and where not.

Die Drei sitzen auf den ‘Hier darfst Du sitzen’ und anderen Schildern. Sie erzählen einander von den vergangenen Wochen. Neue Tattoos werden gezeigt, sie haben sich lange nicht gesehen.

These trree sit on the ‘you can sit here’ and other signs. They tell each other about the past weeks. Fresh tattoos are displayed, they have not seen each other for quite a while.

Autobahndreieck Funkturm

_ von unten – links oben die A 100 und über mir der Zubringer von der AVUS. Unter der A100 steht ein zurückgelassenes und vandalisiertes Auto. Daneben die  beiden Tunnel vom Messedamm durch das Parkhaus des ICC. Links Fussgänger/Fahrräder bergauf, rechts Autos, Fahrräder bergab. Beide spärlich beleuchtet, orange gefliest, besprüht und bewohnt.

Motorway junction “Funkturm” from below – on the upper left the A 100 and above me the feeder road from the AVUS. Under the A100 there is an abandoned and vandalized car. Next to it the two tunnels from the Messedamm through the ICC parking garage. On the left pedestrians/bicycles uphill, on the right cars, bikes downhill. Both sparsely lit, orange tiled, sprayed and inhabited.

Gotzkowskistrasse

Vor dem Spätkauf stehen 3 Biertische auf dem Bürgersteig. Donnerstag ist spätabends noch jede Menge los. Eine stattliche Frau in weitem Hemd thront in einem Plastikstuhl und unterhält sich mit einer jungen Frau in engem Kostüm. Zwei weitere Frauen, eine mit Rollator, kommen den Bürgersteig runter und bleiben stehen. Gesprächsthemen sind Getränke. Zum Beispiel Pastis, den kennt die Frau im Hemd nicht. Der sei erst klar, und wenn man Eiswasser hinzuschütte, so milchig. – Wie, milchig, versteh ich nicht? – Naja, also so etwa wie Sperma. – Beh, schmeckt das auch so? – Das nun nicht. Zum Glück!

In front of the ‘Spätkauf’ are 3 beer tables on the sidewalk. Thursday evening it is still busy. A large woman in a wide shirt is enthroned in a plastic chair and talks to a young woman in a tight costume. Two more women, one with a rollator, come down the sidewalk and stop. Topics of conversation are drinks. For example Pastis, the woman in the shirt doesn’t know that. – It’s clear, but when you pour ice water on it, it’s kind of milky. – How, milky, I don’t get it? – Well, like sperm. – Behold, it tastes like that too? – No, not at all. Fortunately!

Kantstraße

Am Ost- (bzw. City-West-) Ende der Kantstraße wurde der letzte schmutzige Block in Bahnhof Zoo Umgebung durch eine lagegerecht optimiertes Stück internationaler Architektur, – mit Travertin-Verkleidung ‘lokalisiert’ und hauptsächlich einen ‘Primark’ beinhaltend – ersetzt. Ein kleiner Laden am Ende des Neubaus beherbergt einen gut besuchten Kebab-Laden, und unter der Brücke, Richtung Kant runter, hält sich eine Currywurstbude. Sonntag nachmittags – hungrige Menschen parken in zweiter Reihe, und holen Wurst oder Kebab, andere (wie nach dem Zeichnen auch ich …) besorgen beim Ulrichs unter der S-Bahn die Lebensmittel, die sie wochentags zu kaufen vergaßen.

At eastern (or ‘City-Western’) end of Berlin Kantstraße the last ‘dirty’ city block got substituted with optimized international architecture – localized with some travertine cladding and mainly containing a ‘Primark’. In direction Kantstraße one store gives home to a well used kebab place and under the bridge a ‘Currywurst’ takeaway persists. Sunday afternoon hungry people park their cars in second row and get sausage or kebab, others (like myself after drawing) buy the groceries, they forgot to get during the week, at ‘Ulrichs’ under the rails – one of the few full assortment supermarkets opened on sundays.