Hat Bar, 9 September 2021

In der Hat Bar am Kantdreieck gibt es wieder Live Musik – Jeden Abend ab Neun eine offene Jamsession. Zum Glück hat die Bar den Lockdown überstanden. In einem Tonnengewölbe unter der S-Bahn ist die schmale Bühne gegenüber dem Tresen, an dem gibt es Cocktail und Whisky und Bier, und auf der schmalen Bühne spielen Carolyn De Rosario Klavier, Carmelo Leotta Bass und ein Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht weiß.

Live music is back at the Hat Bar at Kantdreieck – an open jam session every night from nine. Fortunately, the bar has survived the lockdown. In a barrel vault under the S-Bahn is the narrow stage opposite the bar, where there are cocktails and whisky and beer, and on stage Carolyn De Rosario plays piano, Carmelo Leotta bass and a drummer whose name I don’t know.

Ein nervös wirkender Mann spricht mit Pianistin und Bassist – er möchte Singen und scheint hier bekannt zu sein. auf der Bühne wirkt er auf einmal sehr present und ruhig und singt sicher und professionell.

A nervous-looking man talks to the pianist and bassist – he wants to sing and seems to be known here. on stage he suddenly seems very present and calm and sings confidently and professionally.

Nach seinem Auftritt wird er von einem sehr redseligen Mann, der mit seiner Familie an der Bar sitzt befragt. Sonst singt er nur auf der Straße. Da hat er seine Stellen. Leider redet der Familienmensch sehr viel und der Sänger kommt kaum zu Wort, schließlich geht die Familie und ich frage ihn, ob ich ihn zeichnen darf. Er willigt ein. Nach Reden ist ihm nicht. Er entschuldigt sich, er müsse klären, ob die Musiker seine Lieder können – scheint so – und er geht viel hin und her.

After his performance he is questioned by a very talkative man sitting at the bar with his family. Otherwise he only sings on the street. That’s where he has his spots. Unfortunately, the family man talks a lot and the singer hardly gets a word. Finally, the family leaves and I ask the singer if I can draw him. He agrees. He doesn’t feel like talking. He apologises, he has to clarify whether the musicians know his songs – it seems so – and he goes back and forth a lot.

Nacheinander singen zwei Frauen, sie lesen den Text von ihren Mobiltlefonen ab.

One after the other, two women sing, reading the lyrics from their mobile phones.

Das braucht er nicht. Er umklammert fest den Mikrofonständer und singt noch einmal.

He doesn’t need that, clutches the microphone stand tightly and sings again..

Ugah

*

**

* Ich fahre von Charlottenburg nach Kreuzberg ** und gehe in den Trinkteufel. Es ist voll, aber am Tresen ist eine breite Lücke, da stell ich mich hin und bekomme ein Bier – irgendwann kommt erst ein Typ zum Bier Bestellen, dafür ist Platz, dann sein Kumpel, der glotzt mich an, ohne zu sprechen. Ich verstehe schon, aber gehe erst, als er sich umdreht und mich mit seinem (recht breiten) Rücken wegschiebt. Ugah. Er bleibt stehen und quatscht mit seinem Kumpel und Leute an. Ich klemme mich woanders hin, und pinsle, wie er sich freut.

* I’m riding from Charlottenburg to Kreuzberg and **visit the ‘Trinkteufel’. It’s full, but there’s a wide gap at the counter, I go there and get a beer – at some point a guy aproaches for ordering his beer, there’s room for that, then his buddy comes and stares at me without talking. I understand, but I don’t leave until he turns around and pushes me away with his (quite wide) back. Ugah. He stays and talks to his buddy and people. I clamp myself somewhere else and ink him beeing happy.

Gotzkowskistrasse

Vor dem Spätkauf stehen 3 Biertische auf dem Bürgersteig. Donnerstag ist spätabends noch jede Menge los. Eine stattliche Frau in weitem Hemd thront in einem Plastikstuhl und unterhält sich mit einer jungen Frau in engem Kostüm. Zwei weitere Frauen, eine mit Rollator, kommen den Bürgersteig runter und bleiben stehen. Gesprächsthemen sind Getränke. Zum Beispiel Pastis, den kennt die Frau im Hemd nicht. Der sei erst klar, und wenn man Eiswasser hinzuschütte, so milchig. – Wie, milchig, versteh ich nicht? – Naja, also so etwa wie Sperma. – Beh, schmeckt das auch so? – Das nun nicht. Zum Glück!

In front of the ‘Spätkauf’ are 3 beer tables on the sidewalk. Thursday evening it is still busy. A large woman in a wide shirt is enthroned in a plastic chair and talks to a young woman in a tight costume. Two more women, one with a rollator, come down the sidewalk and stop. Topics of conversation are drinks. For example Pastis, the woman in the shirt doesn’t know that. – It’s clear, but when you pour ice water on it, it’s kind of milky. – How, milky, I don’t get it? – Well, like sperm. – Behold, it tastes like that too? – No, not at all. Fortunately!

06 Juli 2019

Im japanischen Reataurant Aki Tatsu sitze ich an einem kleinen Tisch am großen Fenster zur Kantstrasse. Drinnen gibt es Thunfisch und Bohnen und draussen (endlich) Regen.

Ein paar Meter weiter ist das Gasthaus Wuppke. Neben der Tür steht ein Flipper (‘Bugs Bunny Birthday Balls’), es läuft Musik etwa aus dem mutmaßlichen Baujahr des Flippers, Gäste ähnlichen Alters unterhalten sich am Tresen. An den Tischen wird viel Karten gespielt und dort scheint niemand über 30 zu sein.

21 Juni

Letzte Woche Freitag war ‘Fête de la Musique’ – In der Kaiser-Friedrich-Straße spielt im ‘Art Stalker’ ‘Dirty Mops’ (Band mit merkwürdigem Namen in merkwürdigem Lokal, aber gut). Um 10 ist Schluss wegen Lärmschutz.

Daher gehe ich in die ‘Hat Bar’ unter einem S-Bahn-Bogen am Kantdreieck, da ist jeden Abend Jam-Session – Männer in frei wechselnden Zusammenstellungen spielen auf Instrumenten Jazz-Standards, manchmal singen Frauen (und merkwürdigerweise nie umgekehrt, soweit ich bisher gesehen habe …):

nachts

_ in der Wrangelstrasse. Der Typ neben mir, an der Bar schnauzt mich an, warum ich hier sei. Als ich nicht verstehe, brüllt er mich an. Ihm passt nicht, dass ich auf mein Telefon geguckt habe. Nach einiger Zeit – ich male schon vor mich hin – kommt die Frau neben ihm rüber – ob ich Polizist sei. Ich sage nein, wie es jeder undercover Bulle auch tuen würde und sie versichert ihrem Nachbarn, dass ich kein Bulle sei, habe sie ja gesagt. Ich male durch die Tür nach draussen. Da wird es dunkel.

_in der Rosenthaler Straße schaue ich auf die Baustelle gegenüber dem Eingang zum Haus Schwarzenberg. Gelbliches Licht von den Strassenlaternen und Warnleuchten auf den Barken.