Bleibtreustraße, 4 Oktober 2021

Letztes Jahr stand hier noch eine Kneipe, die war geschlossen und davor hatte sich ein Obdachloser häuslich eingerichtet. Fragenden Passanten erklärte er, dass die Kneipe nicht mehr aufmach, die komme weg. Das stimmt, heute ist dort ein Bauzaun aus Spanplatten vor dem blanken Grundstück.

Last year there was a pub here, it was closed and a homeless man had made himself at home in front of it. He explained to passers-by that the pub would not open again – it would be removed. That’s right, today there’s a construction fence made of chipboard in front of the cleared property.

Udagawa, 4 Oktober 2021, nach Zehn

Nach zehn hat das japanische Restaurant Udagawa in der Kantstraße zu und drinnen putzt der Koch die Küche. Als die sauber ist, kommt er mit einer Frau heraus und beide räumen die Tische, auf denen schon die umgedrehten Bierbänke liegen, vom Bürgersteig in den Laden.

After ten, the Japanese restaurant Udagawa on Kantstraße is closed and inside the cook is cleaning the kitchen. When it’s done, he and a woman come out and they move the tables, on which the beer benches are already upturned, from the pavement into the shop.

Hat Bar, 9 September 2021

In der Hat Bar am Kantdreieck gibt es wieder Live Musik – Jeden Abend ab Neun eine offene Jamsession. Zum Glück hat die Bar den Lockdown überstanden. In einem Tonnengewölbe unter der S-Bahn ist die schmale Bühne gegenüber dem Tresen, an dem gibt es Cocktail und Whisky und Bier, und auf der schmalen Bühne spielen Carolyn De Rosario Klavier, Carmelo Leotta Bass und ein Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht weiß.

Live music is back at the Hat Bar at Kantdreieck – an open jam session every night from nine. Fortunately, the bar has survived the lockdown. In a barrel vault under the S-Bahn is the narrow stage opposite the bar, where there are cocktails and whisky and beer, and on stage Carolyn De Rosario plays piano, Carmelo Leotta bass and a drummer whose name I don’t know.

Ein nervös wirkender Mann spricht mit Pianistin und Bassist – er möchte Singen und scheint hier bekannt zu sein. auf der Bühne wirkt er auf einmal sehr present und ruhig und singt sicher und professionell.

A nervous-looking man talks to the pianist and bassist – he wants to sing and seems to be known here. on stage he suddenly seems very present and calm and sings confidently and professionally.

Nach seinem Auftritt wird er von einem sehr redseligen Mann, der mit seiner Familie an der Bar sitzt befragt. Sonst singt er nur auf der Straße. Da hat er seine Stellen. Leider redet der Familienmensch sehr viel und der Sänger kommt kaum zu Wort, schließlich geht die Familie und ich frage ihn, ob ich ihn zeichnen darf. Er willigt ein. Nach Reden ist ihm nicht. Er entschuldigt sich, er müsse klären, ob die Musiker seine Lieder können – scheint so – und er geht viel hin und her.

After his performance he is questioned by a very talkative man sitting at the bar with his family. Otherwise he only sings on the street. That’s where he has his spots. Unfortunately, the family man talks a lot and the singer hardly gets a word. Finally, the family leaves and I ask the singer if I can draw him. He agrees. He doesn’t feel like talking. He apologises, he has to clarify whether the musicians know his songs – it seems so – and he goes back and forth a lot.

Nacheinander singen zwei Frauen, sie lesen den Text von ihren Mobiltlefonen ab.

One after the other, two women sing, reading the lyrics from their mobile phones.

Das braucht er nicht. Er umklammert fest den Mikrofonständer und singt noch einmal.

He doesn’t need that, clutches the microphone stand tightly and sings again..

Kantstraße, 31 Juli 2021

Samstag Abend sehe ich Absperrungen, und einen Tisch mit Desinfektionmittel, Masken und Einlaß-QR-Code vor dem New West Club. An der Tür stehen die Betreiber und bald bildet sich eine Schlange junger Menschen auf dem Bürgersteig.

Saturday evening I see barriers, and a table with disinfectant, masks and admission QR code in front of the New West Club. The operators are at the door and soon a queue of young people cue on the pavement.

Bereits hier ist einigermaßen fröhliche Stimmung, einige Gruppen unterhalten sich nur eine Weile mit wartenden Freunden und gehen wieder, ohne zu versuchen herein zu kommen.

Already here the mood is cheerful, some groups just chat for a while with friends and leave without trying to get in.

Andere warten geduldig mit Negativ-Nachweis und gezückter Luca App. Das Türmanagement scheint recht regide, lange Zeiträume wird niemand reingelassen, erst wenn Leute gehen darf dürfen neue rein.

Others wait patiently with negative proof and Luca app drawn. The door management seems to be quite regid, no one is let in for long periods of time, only when people leave new ones are allowed in.

Dabei geht es ausgesprochen freundlich zu, inwieweit die Anwesenheit eines sehr großen und breiten Mannes neben der Tür dazu beiträgt, weiß ich nicht.

Everybody is friendly, but I don’t know to what extent the presence of a very tall and broad man next to the door contributes to this.

Immer wieder kommen Gäste aus dem Club, schnappen Luft, quatschen oder holen sich auch am benachbarten Späti etwas zu trinken. Der hat einen Tisch mit zwei Stühlen vor dem Fenster, an dem im Wechsel Stamm und Clubgäste sitzen, auf einem Bierkasten neben der Tür sitzt ein weiterer Späti-Stammgast gelassen, steht ab und zu auf, um ein neues kaltes Bier zu holen und beachtet das Treiben überhaupt nicht.

Guests come out of the club, take a breath, chat or get something to drink at the neighbouring Späti. There’s a table with two chairs in front of it, regulars and club guests sit alternately. Another regular sits calmly on a beer crate next to the door, gets up every now and then to get another cold beer and doesn’t pay any further attention.

Er bleibt auch unbeteiligt, als irgendwann eine Gruppe Polizisten anrückt und in den Club will, um die Einhaltung der Hygienevorschriften zu kontrollieren. Der große breite Mensch will sie nicht reinlassen, er sieht die, dauernden Besuche als geschäftschädigende Schikane und besteht auf Hausrecht und Gerichtsbeschluß. Während er mit Polizisten verhandelt tauchen immer mehr gerüstete Polizeibeamt auf, die sich aber sehr ruhig und gelassen aufstellen, von interessierten Clubgästen beobachtet. Ein Typ fragt mich, ob das denn überhaupt erlaubt sei, einfach so Polizisten zu zeichnen, wie ich es tue, und er fragt direkt mal einen der Beamten. Kein Problem, sie dürften auch fotografiert werden, das sei schon ok. Der Türsteher läßt schließlich die Polizisten herein. Scheint alles in Ordnung zu sein. Bald danach ruft einer der Betreiber den Gästen zu, sie sollten entweder (mit Masken!) wieder rein kommen oder gehen, die Menschenansammlung auf dem Bürgersteig scheint die meisten Sorgen zu machen. Er bittet den Spätiwirt berlinerisch höflich doch “auch mal seine Terasse rein zu räumen”, so um 2 morgens, und der trägt tatsächlich seine beiden Klappstühle rein.

He also remains unconcerned when a group of policemen arrive and want to enter the club to check compliance with hygiene regulations. The tall, broad man doesn’t want to let them in. He sees the constant visits as business-damaging harassment and insists on domiciliary rights and a court order. While he negotiates with police officers, more and more armoured police officers appear, but they stand very calmly, observed by interested club guests. One guy asks an officerif it’s allowed to draw police officers like I do. He says it’s no problem, they can be photographed, it’s okay. The doorman finally lets the Police in, all ok, it seems. One of the operators calls the guests to either come in (with mask!) or leave, the crowd on the pavement seems to worry most. He (berlin-) politely asks the Späti host to “clear his terrace” at 2am, and he actually carries his two folding chairs inside.

Kantstraße, 6 Juni 2021

Dienstagabend. Die Tische vor den Restaurants sind alle besetzt (drinnen ist leer da dort Testpflicht und draussen Sonne). Die Menschen auf den Bürgersteigen schauen nach freien Plätzen.

Tuesday evening. The tables in front of the restaurants are all occupied (inside is empty because there is a test obligation and there is sun outside). People on the street look for free seats.

Kantstraße, 4 Juni 2021

Ab heute darf wieder ganz legal ohne negativen Schnelltest Aussengastronomie genutzt, also auch mit offenen Bierflaschen vor dem Bull Späti rumgestanden werden.

As of today, it is once again legal to use outdoor gastronomy without a negative rapid test, i.e. to stand around with open beer bottles in front of the Bull Späti.

Kantstraße, 27 Mai 2021


An der Baustelle zum Umbau der Kantgaragen wird es für Fußgänger, Radfahrer und Autos eng. Ich stehe hinter einer Bake. Autos und Fahräder fahren rechts und links an mir vorbei.

At the construction site for the conversion of the ‘Kantgaragen’, it is getting cramped for pedestrians, cyclists and cars. I am standing behind a beacon. Cars and bicycles pass me on the right and left.

Kant- und Schlüterstraße, 22 Mai 2021

Der Blumenladen an der Ecke Schlüterstraße hat um 9 abends noch Blumentöpfe auf dem Gehweg stehen, eine Frau räumt sie rein und fährt etwas später mit einem Fahrrad weg. Passanten mit Bierflaschen. Über mir ein Balkon mit Partygeräuschen, Reden, Flaschenklirren, dann Musik: ‘Dschingiskahn’, ein Typ singt mit, ich haue ab.

The flower shop on the corner of Schlüterstraße still has flower pots on the pavement at 9 o’clock in the evening, a woman clears them away and a little later rides away on a bicycle. Passers-by with beer bottles. Above me a balcony with party noises, talking, bottles clinking, then music: ‘Dschingiskahn’, a guy sings along, I leave.

Unter der Bahnbrücke über die Schlüterstrasse sind gut beparkte Fahrradbügel. Dahinter seit gestern wieder geöffnete und trotz kühlem Wetter gut besuchte Aussengastronomie.

Under the railway bridge over Schlüterstrasse are well parked bicycle racks. Behind them, outdoor dining has reopened since yesterday and, despite the cool weather, is well frequented.

Schlüterstraße, 9 Mai 2021


Vor dem NGO KIM PAK. Es ist beinahe Sommer, und wo sonst die Tische stehen hocken Leute und warten auf Essen. Ein Typ vom Restaurant berät kellnermäßig, bittet aber, woanders zu essen, das sei halt noch so.

In front of the NGO KIM PAK. It’s almost summer, and where there are usually tables, people are sitting and waiting for food. A guy from the restaurant gives advice like a waiter (he obviusly is), but asks to eat somewhere else, that’s just the way it currently is.

Gegen neun ist zu. Zwei Köche, Jun und Timo, machen Pause vor dem Laden, bevor sie sauber machen. Sie sind sehr nett und wir reden. Heute war mehr los als erwartet – Sonntags sei sonst mau. Mir rutscht raus, dass ja ‘trotz Pandemie einiges los’ gewesen sei. Timo guckt darauf eher abgeklärt betreten und erklärt mir, wie das für Gastronomen aussehe – nämlich …. . Auch dass es jetzt gerade so aussieht, als könnte Außengastronomie bald aufmachen, freut ihn zwar, aber nicht zu sehr. Man hat zuletzt viel erlebt und sei vorsichtig. (er ist übrigens für konsequente Schutzmaßnahmen, nicht für vorschnelle Öffnungen, und denkt dass die viel geholfen hätten).

Ich lerne über Duc , der diesen und auch Funky Fish nebenan und Ryotei um die Ecke und Kuchi gegenüber (mit Partner:innen) betreibt (ich google zu Hause: The Duc Ngo) und Kim, die als Miteignerin die Läden hier gestaltet hat (sie habe ich gerade ohne zu wissen gezeichnet).

Timo hat früher gesprayt, als Koch hat er jetzt keine Zeit mehr dafür. Ich darf mir die sehr schönen Läden kurz von innen anschauen und werde wieder kommen, sobald das geht.

It closes around nine. Two cooks, Jun and Timo, take a break in front of the shop before they clean up. They are very nice and we talk. Today was busier than expected – Sundays are usually slow. I let slip that ‘despite the pandemic, there was a lot going on’. Timo gives me a rather distracted look and explains to me how it looks for restaurateurs – namely …. . He is also pleased that it looks as if outdoor restaurants could open soon, but not too pleased. One has experienced a lot recently and should be careful. (By the way, he is in favour of consistent protective measures, not hasty openings, and thinks that these would have helped a lot).

I learn about Duc , who runs (with partners) this and also Funky Fish next door and Ryotei around the corner and Kuchi opposite (I google at home: The Duc Ngo) and Kim, coowner, who designed the shops here (I just drew her without knowing). 

Timo used to spray, as a chef he has no time for that now. I had the chance to have a quick look inside of the very beautiful restaurants and will come back as soon as I can.