Toter Mantel

Vor dem nördlich der Heerstraße gelegenen Teil des Waldes von Pichelswerder endet ein Bohlensteg von den Tiefwerder Wiesen  im Havelaltarm ‘Toter Mantel’ – das letzte Joch zur vom Wald kommenden Treppe fehlt, ein DIN-A4-Blatt in Schutzfolie bittet um Verständnis, dass der Weg wegen Unfallgefahr gesperrt sei.

Unter dem Bohlensteg faulen Baumstämme im Schlamm, auf dem Wasser ist Entengrütze. Von den Eichen am Ufer fallen Eicheln.

Shortly before reaching the northern part of the forest on ‘Pichelswerder’ a wooden runway coming from the ‘Tiefwerder Wiesen’ ends above the dead stream branch of river ‘Havel’ ‘Toter Mantel’ – the final span before reaching the stairs coming from the forest is missing, a laminated  A4-sheet apologises, that the path is blocked due to danger of accidents.

Underneath the runway logs rot in the mud, water lentil on the water inbetween. Acorns drop from the oaks onto the riverside.

Grundgesetz

Vor dem Brandenburger Tor wurde heute zum Tag der Deutschen Einheit das Stück ‘Grundgesetz – ein Chorischer Stresstest’ von Marta Górnicka vom Gorki-Theater uraufgeführt. Nach dem Auftritt eines Fanafarenzuges deklamiert der 50-stimmige Chor Auszüge aus dem Grundgesetz-Text in spannungsreicher Inszenierung, am Ende noch eine wenig Party zu Seeeds dickem B.

Gemüse

Draussen wird es wieder früher dunkel. Drinnen liegt herbstfarbenes Gemüse herum.

“… köcheln lassen, bis die Bohnen gar sind. Nun den Spinat und die Tomaten hinzufügen …” steht im Rezept [Sally Butcher, ‘Veggistan’, Seite 116] – genügend Zeit um beides vorschriftsmäßig zu zerteilen und zu malen.

Reste und ‘Beifänge’ des Einkaufes bleiben für morgen übrig.

Am Nordufer

Neben der Straße ‘am Nordufer’ läuft ein schmaler Pfad am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang. Gegenüber der letzte Kran des Westhafen am Kanal in Richtung Nordhafen. Heute, am Sonntag, liegt dort kein Schiff, ab und zu laufen Jogger oder Menschen mit ihren Hunden den Pfad entlang, erst als ich zurück zur Föhrer Brücke laufe begegnet mir ein erstes Schiff, ein Schubschiff, ohne Bargen.

Erft

Durch ein Schott fliesst Wasser der Erft in ein Rohr unter dem Uferweg. Im Kehrwasser davor treiben kleine Nester von Muschelblumen, man hört das Gurgeln des Wassers, das auf der anderen Seite des Weges in einen Graben sprudelt.

The water of the river Erft in Rhineland flows through this bulkhead into a pipe underneath the pathway along the riverbank. In the eddy floats water lettuce. I hear the sound of the water falling into a ditch at the other end of the pipe.

Charlottenburg <> Kreuzberg

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Richtung Kreuzberg in der U2. Beim Umsteigen am Gleisdreieck kommt ein dünner Typ mit zwei quergesteppten Daunenjacken übereinander die Treppen zum Bahnsteig der U1 hoch – die untere schwarz und knielang, die oberer kürzer in pixeligem Camouflage-Muster.

In der U-Bahn erklärt er, dass er jetzt schon einige Tage draussen sei und ein wenig Geld brauche, um mal wieder eine Nacht warm zu schlafen, deshalb wäre er nun wieder zur motz, das wäre dann auch irgendwie gut, denn er hätte mal wieder ein paar Leute getroffen. Überhaupt könne er gegen die Leute nichts sagen, da müsse er sogar der motz widersprechen, die gerade die Missstände bei der Kältehilfe anprangere, man müsse vor allem erstmal dankbar sein, bei Leuten, die ohne dass sie was davon hätten helfen, das wolle er vor Allem sagen.

Er geht rum, in der einen Hand eine abgegriffene Ausgabe der motz, die er nicht zum Verkauf anbietet. Ich will ihm was geben, habe aber nur 10 und 20 Cent-Münzen. Der Zug hält. Er will in den nächsten Wagen (auf der U1 fahren noch viel alte Züge, bei denen man nicht zwischen den Wagen durchgehen kann), nimmt meine 40 Cent, mehr gab es nicht in diesem Wagen, und bedankt sich beim Aussteigen überschwänglich.

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Zurück vom Kottbusser Tor ist die U1 sehr voll, ich stehe. Es wird leerer, die Buchleserin links unter mir steht auf, geht zur Tür und steht hinter mir – ich bin nervös. Als ich das letzte mal auf dieser Strecke gezeichnet habe, wollte mich ein Typ deswegen anzeigen – weswegen – ich hätte nicht gefragt. Ich habe ihn gar nicht gezeichnet, aber vielleicht seine Tochter, zumindest eine junge Frau, die gesehen hatte, was ich mache und der es egal war. Er habe mich fotografiert, als Beweis,  ‘Wenn die Zeichnung irgendwo auftaucht, kassieren Sie eine Anzeige’.

Heute sagt die Leserin vor dem Aussteigen etwas Nettes. Schön!

Rom

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Am 31.10. kommen wir in Rom an. Der Fernseher im Hotelzimmer zeigt Deutsches Fernsehen und also eine Luther-Biographie. Ich fliehe in die nächste Trattoria/Bar, wo der ‘Shot’ heute nur 1 Euro kostet, nehme mir ein Bier, setze mich an einen Tisch neben der Bar und beobachte gruselig kostümierte Römer.

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Am nächsten Tag ist unter dem Giordano-Bruno-Denkmal Markt, wir sitzen auf dem Sockel, mit dem Rücken zu einem Bronzekranz, an dem diverse Zettel mit Huldigungen kleben.

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Abends fahren wir mit der überfüllten Strassenbahn, zurück nach San Lorenzo, wo unserer Hotel (Namens Villa San Lorenzo) ist. In der Nähe ist ein Musikclub, ‘Le Mura’, um hineinzukommen, entrichte ich eine ‘Aufnahmegebühr’, erhalte einen hübschen bunten ‘Mitgliedsausweis’ und kann dann drinnen an der Bar Bier trinken.

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Gegen 11 beginnt die Musik, 2 Typen, Gitarre und Beatboxing, sind zusammen ‘monkeyonecanobey’ und ziemlich gut.

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Am nächsten Morgen in die Vatikanischen Museen – dort bewacht einer der ‘Cani Molossi’ den Eingang zu einer Galerie (der andere ist ‘in restauro’). Am Pantheon wird das Bewachen, wie z.Zt. überall in Rom, von jungen Menschen mit Gewehren erledigt.

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Am 3 Tag regnet es, und wir lungern erstmal etwas im Hotelzimmer herum. Auch später, an den Quattro Fontane regnet es immer wieder, Menschen stellen sich im eng an der Fahrbahn gelegenen Portal von Borrominis Kirche unter, warten mit hochgezogenen Schultern auf die Fußgängerampel (Touristen) oder laufen gehetzt über die enge Kreuzung.

Am letzten Abend in Rom gehen wir noch einmal in die Trattoria da Marcello, mit Ochsenschwanz gefüllte Ravioli essen.

Berliner Herbst

Im kleinen Vorhof der Heckmannhöfe zur Augustastrasse steht diese herbstfarbene Vespa vor dem mit immer grünen Efeu berankten Hoffassaden. Die Scheinwerfer sind mit Klarsicht-Klebeband geflickt.

Auf dem Weddinger Leopoldplatz sitzen auf den Bänken mit dem Rücken zur Kirche einige Typen mit Bierflaschen in der späten Nachmittagssonne. Auf dem Boden liegt Laub, das der Sturm, kaum dass es sich etwas verfärbt hat, von den Bäumen raufte. Die Sonne verschwindet hinter den Häusern, die Bierflaschen sind leer und werden von einer der Pfandsammlerinnen mit Kopftuch, Schal, Strickjacke und Einkaufstrolley entgegengenommen. Im Schatten wird es schnell kalt.