HKW Lichterfelde, 10 Juli 2022

Sonntag Nachmittag sitze ich am Teltowkanal, gegenüber dem Lichterfelder Hafen. Direkt gegenüber ist das neue Gasheizkraftwerk, dass die drei 2019 stillgelegten Kraftwerksblöcke rechts davon ersetzt.

Sunday afternoon I’m sitting by the Teltow canal, opposite Lichterfeld harbour. Directly opposite is the new gas-fired power plant that replaces the three power plant units to the right of it that shut down in 2019.

Cafe Finovo, 9 Juli 2022

Direkt hinter dem unteren Eingang des Alten Matthäus Kirchhof in Schöneberg ist das Cafe Finovo. Patinierte Tische mit Steinplatten und viele Pflanzen. Familien auf Friedhofsbesuch kaufen Blumen, die Kinder suchen aus. Ich trinke Kaffee. Auf der Website des Cafe steht auch viel zu diesem interessanten und schönen Friedhof.

Directly behind the lower entrance of the Alter Matthäus Kirchhof in Schöneberg is Cafe Finovo. Patinated tables with stone slabs and lots of plants. Families visiting the cemetery buy flowers, the children choose. I drink coffee. The café’s website also says a lot about this interesting and beautiful cemetery

Leopoldplatz, 21 Mai 2022

Heute trafen sich die berlin.urbansketchers zum Flohmarktzeichnen auf dem Leopoldplatz. Über Nacht zogen üble Unwetter über Berlin, aber morgens war es erstamal trocken und schön.

Today the berlin.urbansketchers met for a flea market drawing on Leopoldplatz. Bad storms hit Berlin overnight, but in the morning it was dry and beautiful.

Schaufensterpuppen, mit Stickbildern versehene Bilderrahmen, Möbel, Geschirr, Kleidung, DJ Bombay, Autoräder. Irgendwann gab es dann doch einen heftigen Regenschauer.

Mannequins, embroidered picture frames, furniture, crockery, clothes, DJ Bombay, car wheels. At some point there was a heavy rain shower.

In einem Mittelgang gibt es mehrer Stände mit Kleidung. Besucher wühlen, halten vor und zeigen einander und die Klamottenhaufen auf den Tischen werden unordentlich.

In a central aisle there are several stalls with clothes. Visitors rummage, hold up and show each other and the piles of clothes on the tables get messy.

An diesem Stand werden Kochtöpfe, Werkzeuge und Arbeitskleidung angebeoten. Der Betreiber meint, ich würde doch nicht etwa ihn zeichnen. Nun ja, genau das habe ich gemacht. Er holt erstmal seine Freunde, die solle ich jetzt auch zeichnen, die wollen nicht recht und ich mache mein Bild weiter, irgendwann versucht er eine Gebühr, 10 €, für die Abbildung seines Standes einzufordern, dann erzählt er einem von den Marktordnern, die überall nach dem Rechten schauen, dass ich ihn ja wohl gezeichnet hätte. Der ist cool, bezweifelt Erkennbarkeit, verweist auf die bei Zeichnungen ja vermutlich wirksame Kunstfreiheit und kennt sich offenbar aus. Der Betreiber akzeptiert es und es bleibt entspannt.

Cooking pots, tools and work clothes are on offer at this stall. The stall owner says I’m not going to draw him, am I? Well, that’s exactly what I did. First, he gets friends, I should draw them too. At some point he tries to demand a fee, 10 €, for the depiction of his stand, then he tells one of the market stewards, who check everywhere, that I surely would have drawn him. He is cool, doubts that he is recognisable, refers to the presumably effective freedom of art in drawings and obviously knows his stuff. The stall owner accepts it and it remains relaxed.

Liège, 19 April 2022

Am Dienstag fahren wir nach Lüttich. Wir frühstücken im Café Randaxhe, in Outremeuse, dem Stadtteil auf einer Insel zwischen der Maas und einem Altarm.

Tuesday we drive to Liège. We have breakfast at Café Randaxhe, in Outremeuse, the district on an island between the Meuse and an oxbow.

Später zeichne ich an der Rue Grétry – die Insel ist hier so schmal, dass die Straße sie auf nur gut 100 Meter zwischen den beiden Brücken über Altarm und Maas quert. Ich schaue den Quay de la Bouverie hinab. Über dem Eckhaus zur Rue Méan ist ein schmaler 20 Geschoß hoher Turm aufgeständert.

Fußgänger und Autos überqueren abwechselnd die Kreuzung.

Later I draw at Rue Grétry – the island is so narrow here that the road crosses only around 100 metres between the two bridges over oxbow and the Meuse. I look down the Quay de la Bouverie. Above the corner house at Rue Méan is a slender 20-storey tower.

Pedestrians and cars cross the intersection in alternating traffic light phases.

Theux, April 2022

Wir kommen am Ostersonntag Abend in Theux, einem kleinen Ort in den Ardennen, an. Heute war ‘Fete de la Rue’, Fahrgeräte und Stände werden gerade abgebaut.

We arrive in Theux, a small town in the Ardennes, on Easter Sunday evening. Today was ‘Fete de la Rue’, fairground equipment and stalls are being dismantled.

Vor der Kneipe ‘Le Hocheporte’ wird weiter gefeiert. Ich zeichne und habe bald viele neue nette Freunde.

The party continues in front of the pub ‘Le Hocheporte’. I draw and soon have many new polite friends.

Darunter auch Simon und Mick, die ein Portrait wollen.

Among them are Simon and Mick, who want a portrait.

Erst am nächsten Morgen, als wir durch den schönen Ort gehen, bemerken wir die Schäden der Flut vom Juli 2021. Durch die Fenster der völlig intakten sehr schönen Fassaden sieht man entweder vom Wasser zerstörte Möbel, Böden und Wandverkleidungen, Handwerker, oder frisch neu gemachte Läden oder Wohnungen. Viele Restaurants und Läden haben wieder auf, einige werden gerade renoviert aber einige sind geschlossen und zerstört.

It is not until the next morning, when we walk through the beautiful town, that we notice the damage caused by the flood of July 2021. Through the windows of the completely intact, very beautiful facades, one sees either furniture, floors and wall coverings destroyed by the water, craftsmen, or freshly remodelled shops or flats. Many restaurants and shops are open again, some are being renovated but some are closed and destroyed.

In der Hoëgne arbeiten unterhalb der Brücke beim Bahnhof Bagger auf einem Fahrdamm im Fluß. Sie reinigen das Flußbett vom Schutt, weiter abwärts sehe ich ein mit Flußgeröll gefülltes Auto im Fluß liegen, weiter unten Stahlträger, vermutlich Reste einer Fußgängerbrücke.

In the river Hoëgne, below the bridge at the railway station, excavators are working on an embankment in the river. They are clearing the riverbed of debris, further down I see a car filled with river debris lying in the river, further down steel girders, probably remains of a footbridge.

Am Ostermontag machen wir eine Rundwanderung – zuerst die Wayai aufwärts, dann über einen bewaldeten Hügel hinüber zum Tal der Hoëgne, und den gegenüberliegenden Hügel wieder hinauf, nach Sasserotte.

On Easter Monday we do a walk – first up the river Wayai, then over a wooded hill across to the valley of the Hoëgne, and up the opposite hill again, to Sasserotte.

Von dort schaue ich Richtung Theux.

From there I view in the direction of Theux.

Ich laufe noch einmal zurück ins Tal. Ich stelle meine Füße in die Hoëgne, die hier friedlich zwischen grünen Wiesen fliest.

I walk back into the valley once more. I put my feet in the Hoëgne, which flows peacefully here between green meadows.

Haute Fagnes, 20 April 2022

In der Nähe der Baraque Michel im hohen Venn führt ein Holzsteg über einen kleinen Bach, den Oberlauf der Hill, wie ich nachher auf der Karte sehe. Neben dem Bach steht ein obeliskförmiger Grenzstein. Während ich zeichne, bekomme ich insgesamt 13 Textnachrichten auf mein Telefon, die mich abwechselnd in Belgien und Luxemburg begrüßen. Eigentlich ist hier nur Belgien, Deutschland ist nicht weit, aber Luxemburg doch viele Kilometer südlich. Allerdings sehe ich auf einer Infotafel, dass das Großherzogtum Luxemburg achtzehnhundertirgendas genau bis zu dem Grenzstein ging.

Near the Baraque Michel in the ‘Haute Fagnes’, a wooden footbridge leads over a small stream, the upper course of the river ‘Helle’, as I see later on the map. Next to the stream is an obelisk-shaped boundary stone. As I draw, I get a total of 13 text messages on my phone, greeting me alternately in Belgium and Luxembourg. Actually, there is only Belgium here, Germany is not far, but Luxembourg is many kilometres to the south. However, I see on an information board that the Grand Duchy of Luxembourg went exactly to the border stone until the a year eighteenhundredsomething.

Kantstraße, 7 Januar 2022

Freitagabend, ungefähr halbsieben stehen Leute vor dem ‘Han BBQ’ bis ein Tisch frei wird und sie reingehen können. Die Karaokebar nebenan ist erst noch zu, irgendwann schliesst jemand auf und dann geht auch gleich die Neonschrift der ‘KTV Bar’ an.

On Friday evening, at about half past seven, people stand in front of the ‘Han BBQ’ until a table becomes free and they can go in. The karaoke bar next door is still closed, but at some point someone opens the door and the neon sign of the ‘KTV Bar’ is lit.

Enjoy Kebab, 19 Dezember 2021

Die Zwei Männer am Tisch am Eingang des ‘Enjoy Kebab’ trinken Helles. Als ich um halbzehn komme, sind sie die einzigen Gäste, der Chef meint, heute sei etwas mau, aber allgemein läuft es gut. Die nächste Zeit kommen noch einige Gäste, der Dönerabeiter schneidet Döner, wobei er sich nötigenenfalls einen aus Alufolie gebastelten Hitzeschutz vor die Messerhand klemmt. Die beiden Langzeitgäste trinken nicht nur Helles sondern sprechen auch Bayrisch. Sie haben Arbeitsklamotten unter den Daunenjacken. Sie sind auf Lüftungsmontage in einem Berliner Krankenhaus erzählen sie und unterhalten sich gerne

The two men at the table at the entrance to ‘Enjoy Kebab’ are drinking Helles. When I arrive at half past nine, they are the only guests, the chef says it’s a bit slow today, but generally it’s going well. A few more guests arrive in the next few minutes, the kebab maker cuts the kebab, if necessary using a heat shield made of aluminium foil to protect his knife hand. The two long-term guests not only drink Helles beer but also speak Bavarian. They have work clothes under their down jackets. They are on ventilation assembly in a Berlin hospital, they tell us, and they love to talk.

Clermont-Ferrand, November 2021

Nach dem Rendez-Vous du Carnetde Voyage bin ich noch einige Tage in Clermont-Ferrand geblieben. Am Montag zeichne ich gemeinsam mit anderern Zeichnern, die erst mittags abreisen, auf dem Platz um die Fontaine de Terrail.

After the Rendez-Vous du Carnet de Voyage I stayed in Clermont-Ferrand for a few days. On Monday I draw together with other sketchers, that only leave at noon, around the Fontaine de Terrail.

Am Dienstag stehe ich früh auf und fahre mit dem Bus nach Royat. Von dort laufe ich bis zur Talstation der Panoramabahn, die normalerweise auf den Puy de Dômes fährt. Im November hat die allerdings Pause. Es ist so neblig, dass ich maximal 50 m weit gucken kann. Ich laufe durch den Wald hoch zwischen die Vulkankuppen und auf den Puy Pariou. Ab einer bestimmten Höhe sind erst nur die Zweige der Bäume, später auch Gras, Steine, Schilder und alles mit einer scharkantigen, feinen Eisstruktur bedeckt. Ich steige an der Nordseite des Puy Pariou wieder durch schönen, nebeligen Wald ab und laufe bis Durtoil. Von dort fährt ein Bus zurück nach Clermont-Ferrand.

On Tuesday, I get up early and take the bus to Royat. From there I walk to the valley station of the panorama railway that normally goes up the Puy de Dômes, but is closed in November. It is so foggy that I can’t see more than 50 metres. I walk through the forest up between the volcanic peaks and onto Puy Pariou. From a certain height, first only the branches of the trees, later also grass, stones, signs and everything is covered with a rakish, fine ice structure. I descend on the north side of Puy Pariou again through beautiful, foggy forest and walk to Durtoil. From there, a bus takes me back to Clermont-Ferrand.

Am Mittwochmorgen sitze ich auf dem ‘Cimetière des Carmes’. Während ich zeichne, erscheint ein Mann, der selbst im Rentenalter ist und das Grab seiner Großmutter besucht, wie er mir später erzählt. Zunächst referiert er in einer Mischung aus Englisch und Französisch eine kurze Geschichte des Ortes: Die Kirche gehörte zu einem Karmelitinnenkloster, ‘Carmes’, das sich hier niedergelassen hat. Das lange Gebäude auf der rechten Seite – ich vermute, ein ehemaliges Klostergebäude – wird von der Firma Michelin als Schule für Mechaniker genutzt. Es war früher eine wichtige Einrichtung des Unternehmens, wird aber heute nur noch sporadisch genutzt. Er betonte die Rolle von Michelin als Unternehmen und Arbeitgeber für die Stadt. Er hat auch für Micheline gearbeitet, und vielleicht kennt er die Schule aus seiner eigenen Ausbildung. Er verabschiedet sich und nachdem ich meine Zeichnung beendet habe, entdecke ich direkt neben dem Friedhof das Michelin-Gebäude am Place du Carmes.

On Wednesday I am sitting on the ‘Cimetière des Carmes’. While I draw, a man appears, he, himself in an age post retirement, visits the grave of his grandmother, he later tells me. First he gives, in a mixture of english and french, a brief history of the place: The church belonged to a Convent of Carmelites, ‘Carmes’, that settled here. The long building at the right – I guess a former convent building – is used by the Michelin company as a school for mechanics. It used to be an important facility of the company, but is now only sporadically used. He emphasized the role of Michelin as company and employer for the city. He worked for Micheline too, and maybe he knows the school from his own education. He says goodbye and after I finish my drawing, I spot, right aside the cemetery, the Michelin-building at Place du Carmes.

Am frühen Nachmittag in der Nähe des historischen Zentrums – zwischen der Rue la Tour d’Auvrenge und dem Boulevard Desaix gibt es einen kleinen Platz mit einem Poseidon-Brunnen, Platanen und Bänken. Hier machen die Rider eines Essensauslieferers ihre Pausen. Auf der Bank hinter mir hören junge Menschen Musik und rauchen Gras. Leute führen Hunde aus.

After noon near the historical center – between the Rue la Tour d’Auvrenge and Boulevard Desaix is a small square with a Poseidon fountain, sycamore trees and benches. Food delivery riders take their breaks here. On the bench behind me, adolescents listen to music and smoke weed. Dogwalkers.

Ich sitze an einem Tisch vor dem ‘Coq Argenté’ am Place Saint Pierre, direkt gegenüber einer Markthalle. Es wird langsam dunkel, die Tische vor den Bistros am Platz werden rein geräumt und die Lieferautos der Marktleute tauchen auf.

I am sitting at a table in front of the ‘Coq Argenté’ on Place Saint Pierre, directly opposite a market hall. It is slowly getting dark, the tables in front of the bistros on the square are being cleared and the delivery cars of the market people appear.

Später in der (sehr netten) Bar ‘Le Bikini’ – erst ist es leer, der Wirt interessiert sich für meine Zeichnung und bald kommen Gäste, ein ‘Carnetist’ scheint hier kein ungewohnter Anblick, ich zeichne und unterhalte mich, nach einer Stunde leert sich die Kneipe wieder, und ich trinke ein letztes Bier, bevor ich ins Hotel gehe und früh am Morgen zurück nach Berlin fahre.

Later in the (very nice) bar ‘Le Bikini‘ – at first it’s empty, the landlord is interested in my drawing and soon guests arrive, a ‘carnetist’ doesn’t seem an unusual sight here, I draw and chat, after an hour the pub empties again and I have a last beer before going to the hotel and taking the train back to Berlin early next morning.

An der Spreemündung, 3 Oktober 2021

Der Uferstreifen zwischen Straße und Havel ist mit wildem Hopfen bewachsen. Zwei mal fahren große mit Steinkohle beladene Binnenschiffe von der Havel in die Spree ein, Richtung der Kraftwerke, und verschwinden tuckernd hinter dem Torhäuschen der leerstehenden ehemaligen Geschützgießerei an der Spreemündung.

The bank between the road and the Havel is overgrown with wild hops. Twice, large barges loaded with hard coal enter the Spree from the Havel in the direction of the power stations and disappear chugging behind the gatehouse of the empty former gun foundry at the mouth of the Spree.