Spandavia

Das Schubschiff ‚Spandavia‘ ist mit einer mit Spundwandteilen beladenen Barge verzurrt, dahinter ein Ponton mit Kran und einer Schaufel und kleinere Bargen mit Aushub.

Zwischen Autobahn und Ufer kommen ab und zu Jogger vorbei. Auf dem Westhafenkanal passieren Ausflugsschiffe, eines mit einer Festgesellschaft und frierend rauchenden Krawattenträgern an Deck.

Ein paar Achter mit laut rufenden Steuerleuten werden von in den unterschiedlichen Farben der Boote gekeideten Mannschaften hin und her gerudert, begleitet von DLRG-Booten.

The push boat ‚Spandavia‘ is lashed with a barge, that is loaded with sheet pile wall parts. Behind it is a pontoon with crane and a shovel and smaller barges with excavation.

Joggers occasionally pass between the motorway and the bank. On the Westhafen canal, excursion ships pass by, one with a party party and freezing smoking tietails on deck.

A few eights with loudly calling helmsmen are rowed back and forth by crews dressed in the different colours of the boats, accompanied by DLRG boats.

 

Neuendorfer Heide

Zwischen dem Spandauer Jagdhaus und Nieder Neuendorf verläuft der Mauerweg auf dem ehemaligen Grenzstreifen durch die Neuendorfer Heide entlang der Havel. Die politische Grenze lag in der Havel. Ich hocke zwischen Weg und Havelufer, wohl schon jenseits des Verlaufes der Vorderlandmauer, also im ehemaligen Niemandsland, auf bemoosten Grundmauern, Teile der Ruine eines Wohnhauses. Zwischen Mauertrümmern und Fliesenresten wachsen große Bäume.

From Spandauer Jagdhaus to Nieder Neuendorf the Wall Trail runs along the former border strip along the Havel through the Neuendorfer Heide. The political border was in the river Havel. I squat between the path and the banks of the Havel, probably already beyond the course of the ‚Vorderlandmauer‘, in former no man’s land, on mossy foundation walls, parts of the ruins of a residential building. Large trees grow between bricks and the remains of tiles.

 

 

Les Amazones d’Afrique

Samstag Abend spielten Les Amazones d’Afrique zur Wassermusik 2019 im Haus der Kulturen der Welt. Sehr cool.

Hier kann gehört (und gekauft) werden.

Saturday night Les Amazones d’Afrique performed in the ‚Haus der Kulturen der Welt‘, as part of the festival  Wassermusik 2019. Very cool.

You can listen (and buy) here.

06 Juli 2019

Im japanischen Reataurant Aki Tatsu sitze ich an einem kleinen Tisch am großen Fenster zur Kantstrasse. Drinnen gibt es Thunfisch und Bohnen und draussen (endlich) Regen.

Ein paar Meter weiter ist das Gasthaus Wuppke. Neben der Tür steht ein Flipper (‚Bugs Bunny Birthday Balls‘), es läuft Musik etwa aus dem mutmaßlichen Baujahr des Flippers, Gäste ähnlichen Alters unterhalten sich am Tresen. An den Tischen wird viel Karten gespielt und dort scheint niemand über 30 zu sein.

Kiefern

Es ist warm und wir fahren mit dem Fahrrad, erst zum Skulpturen gucken zum Haus am Waldsee, dann zur Krummen Lanke. Mir ist es am Ufer zu voll und ich gehe ca. 200m weg und sitze auf einem abgesägten Stumpf. Harzgeruch. Badegeplapper durch laues Rauschen.

21 Juni

Letzte Woche Freitag war ‚Fête de la Musique‘ – In der Kaiser-Friedrich-Straße spielt im ‚Art Stalker‘ ‚Dirty Mops‘ (Band mit merkwürdigem Namen in merkwürdigem Lokal, aber gut). Um 10 ist Schluss wegen Lärmschutz.

Daher gehe ich in die ‚Hat Bar‘ unter einem S-Bahn-Bogen am Kantdreieck, da ist jeden Abend Jam-Session – Männer in frei wechselnden Zusammenstellungen spielen auf Instrumenten Jazz-Standards, manchmal singen Frauen (und merkwürdigerweise nie umgekehrt, soweit ich bisher gesehen habe …):

Herrfurthstraße

Kurz vor Schluss schaffe ich es sonntags noch zu 48h Neukölln. In der Herrfurthstraße im Schillerkiez. Vor einer Galerie, die Hälfte der Passanten scheint wegen Kunst unterwegs, die Anderen sind eh auf der Straße. Ich fotografiere mein Gemale für Instagram, zwei Halbwüchsige rufen schon von Weitem, dass ich das gar nicht fotografieren brauche, es sei eh Kacke. Meine Antwort ist einfallslos, nicht halbwüchsigengerecht und mittelfingerförmig. Sie sind unbeeindruckt und präzisieren ihre Kritik – meine Farben seien total schwul. Sie kommen näher, in Sichtweite, ob ich das alles mit der einen Farbe gemalt hätte? – dass sei blöd, die sei total schwul. Ich stimme in soweit zu, dass ich, trotz anderer Lehrmeinung, schwarze Tusche auch als Farbe betrachte (nur dass die schwul sei, wusste ich nicht). Auf weitere Erörterungen lassen sie sich aber nicht ein, sondern ziehen lachend weiter.

Shortly before the end – Sunday – I make it to 48h Neukölln. In Herrfurthstraße in the Schillerkiez. In front of a gallery, half of the passers-by seem to be on their way because of art, the others are on the street anyway. I photograph my scrawl for Instagram, two adolescents shout from a distance that I don’t even need to photograph it, it’s shit anyway. My answer is unimaginative, not appropriate for adolescents and middle finger-shaped. They are unimpressed and precise their criticism – my colours are totally gay. They come closer, within sight, whether I would have painted all this with that one colour? – that’s stupid, that colour is totally gay. I agree to the extent that, despite other doctrines, I also consider black ink to be colour (only I didn’t know, it was gay). However, they don’t get involved in further discussions, but walk away laughing.

Im Café Lux ist ein schöne Fotoausstellung – ‚Das Geräusch des Wassers‘ – und vor dem Café kann man sitzen. Leute reden, Zeichner hören unwillkürlich. Eine Person am Telefon will sich nicht entschuldigen. Deswegen auf keinen Fall (ich weiß nur grob, warum, aber so aus dem Bauch – ne, deswegen nicht) – eine andere Person hat den Ex geschont und nicht alles erklärt (warum er jetzt Ex ist – naja, aber so enthält man wichtige Hinweise zum ’selfimprovement‘ vor) (aber eigentlich geht mich das alles gar nichts an)

In Café Lux there is a nice photo exhibition – ‚The Sound of Water‘ – and you can sit in front of the café. People talk, draughtsmen hear involuntarily. A person on the phone doesn’t want to apologize. Therefore not at all (I only know roughly why, but from my gut – no, therefore not) – another person spared the ex and didn’t explain everything (why he’s an ex now – well, but this way important hints for self improvement are withheld) (but actually none of it is my business)

nachts

_ in der Wrangelstrasse. Der Typ neben mir, an der Bar schnauzt mich an, warum ich hier sei. Als ich nicht verstehe, brüllt er mich an. Ihm passt nicht, dass ich auf mein Telefon geguckt habe. Nach einiger Zeit – ich male schon vor mich hin – kommt die Frau neben ihm rüber – ob ich Polizist sei. Ich sage nein, wie es jeder undercover Bulle auch tuen würde und sie versichert ihrem Nachbarn, dass ich kein Bulle sei, habe sie ja gesagt. Ich male durch die Tür nach draussen. Da wird es dunkel.

_in der Rosenthaler Straße schaue ich auf die Baustelle gegenüber dem Eingang zum Haus Schwarzenberg. Gelbliches Licht von den Strassenlaternen und Warnleuchten auf den Barken.

 

Mauerstreifen im Wedding

2017 habe ich den Mauerstreifen im Wedding erkundet. Ich bin im Jahr 2000 nach Berlin gezogen, vorher war ich nur einmal, in den 90ern, hier. Ich habe die Mauer nie gesehen.
Ich bin in Westdeutschland, nahe der holländischen Grenze aufgewachsen. Über diese sind wir oft gefahren, an der Grenze gab es Kontrollen, das Schlimmste was passieren konnte, war ein Stau und das zuviel gekaufter Kaffee (oder so) entdeckt würde, lästig oder vielleicht auch ein kleiner Nervekitzel auf dem Weg in Nachbarländer mit anderer Sprache usw. Nach Ostdeutschland oder Osteuropa bin ich zu Zeiten des ‚kalten Krieges‘ nicht gefahren (eine Fahrt 89 nach Magdeburg zählt nicht wirklich) – meine Ignoranz ist nicht mehr zu korrigieren. Nun suche ich eine Grenze, wie ich nie eine kennengelernt habe und finde wenige Spuren.

In 2017 I explored the wall strip in Wedding. I moved to Berlin in the year 2000, before I was here only once, in the 90s. I never saw the wall.
I grew up in West Germany, near the border to the Netherlands. We crossed this a lot, there were controls, the worst thing that could happen was a traffic jam and that illegal amounts of coffee (or so) would be discovered, annoying or maybe also a little nerve tickle on the way to neighbouring countries with other languages etc. I didn’t go to East Germany or Eastern Europe during the ‚Cold War‘ (a trip to Magdeburg ’89 doesn’t really count) – my ignorance can’t be corrected anymore. Now I’m looking for a border I have never seen and find few traces.

An einem langen Sommerabend bei den Liesenbrücken. Dunkler Schatten unter den ruinösen Eisenträgern, Jogger laufen regelmäßig an mir vorbei.

On a long summer evening at the Liesenbrücken. Dark shade under the ruinous iron beams, runners pass by.

Auf der anderen Seite der Schienen ist der St. Hedwig Friedhof. Längs der Liesenstraße, an der Brücke ist noch ein Teil des ‚vorderen Sperrelementes‘ erhalten, auf dem Friedhof noch ein Stück Hinterlandmauer. Längs der Liesenstraße wurden die Gräber auf 40 m Breite abgeräumt. In Gleisnähe ist zur Zeit auf diesem Streifen der Komposthaufen des Friedhofes – dort sitze ich bei einsetzendem Regen und schaue in Richtung der Brücken.

On the other side of the tracks is the St. Hedwig Cemetery. Along the Liesenstraße, at the bridge, a remnant of the front wall – ‚vorderes Sperrelement‘ – is preserved, as at the cemetery a piece of the rear wall – ‚Hinterland Mauer‘. Along the Liesenstraße the graves were cleared to a width of 40 meters. Currently, the compost heap of the cemetery is on this strip close to the track – there I sit, it starts raining and I view in direction of the bridges.

Weiter die Liesenstraße hinunter. Hier an der Ecke zur Chausseestraße, wo der gleichnamige Grenzübergang war, ist jetzt eine Total-Tankstelle. Rote Rücklichter der tankenden Autos und in der beleuchteten Kassenhalle gibt es auch Kaffee und so. ‚Willkommen‘, steht auf dem Schild vorne.

Down the Liesenstraße – here at the corner to Chausseestraße, on the site of the former border crossing with that name, a Total petrol station. Red taillights of the filling up cars, in the illuminated cash hall there is coffee and so on. ‚Welcome‘ on the sign in front.

Wieder zurück, von der Brücke den Park am Nordbahnhof (auf den Gleisen des abgerissenen Nord-, bzw, Stettiner Bahnhofs) entlang zum S Bahnhof Nordbahnhof. Am nördlichen Eingang ist der ‚Wall-Kiosk (der Schriftzug auf gedrucktem Backsteinwand-Hintergrund, ‚wall‘ halt). Es gibt alles Mögliche, Essen, Trinken, Souveniers. Der Betreiber quatscht mit einem Gast in der Abendsonne. Ein paar Wochen vorher habe ich hier eine bereits stark vergilbte Karte mit dem zur Drucklegung bereits ehemaligen Mauerverlauf gekauft. Die war hilfreich.

In the other direction, back and from the bridge along the park at Nordbahnhof (on the tracks of the demolished Nord- or Stettiner Bahnhof) to S Bahnhof Nordbahnhof. At the northern entrance is the ‚Wall-Kiosk‘ (the writing on a printed brick masonry background, ‚wall‘ is wall). There are all sorts of things, food, drinks, souvenirs. The operator is chatting with a guest in the evening sun. A few weeks before I bought an already yellowed map with the former course of the wall. It was helpful.