Enjoy Kebab, 19 Dezember 2021

Die Zwei Männer am Tisch am Eingang des ‘Enjoy Kebab’ trinken Helles. Als ich um halbzehn komme, sind sie die einzigen Gäste, der Chef meint, heute sei etwas mau, aber allgemein läuft es gut. Die nächste Zeit kommen noch einige Gäste, der Dönerabeiter schneidet Döner, wobei er sich nötigenenfalls einen aus Alufolie gebastelten Hitzeschutz vor die Messerhand klemmt. Die beiden Langzeitgäste trinken nicht nur Helles sondern sprechen auch Bayrisch. Sie haben Arbeitsklamotten unter den Daunenjacken. Sie sind auf Lüftungsmontage in einem Berliner Krankenhaus erzählen sie und unterhalten sich gerne

The two men at the table at the entrance to ‘Enjoy Kebab’ are drinking Helles. When I arrive at half past nine, they are the only guests, the chef says it’s a bit slow today, but generally it’s going well. A few more guests arrive in the next few minutes, the kebab maker cuts the kebab, if necessary using a heat shield made of aluminium foil to protect his knife hand. The two long-term guests not only drink Helles beer but also speak Bavarian. They have work clothes under their down jackets. They are on ventilation assembly in a Berlin hospital, they tell us, and they love to talk.

Clermont-Ferrand, November 2021

Nach dem Rendez-Vous du Carnetde Voyage bin ich noch einige Tage in Clermont-Ferrand geblieben. Am Montag zeichne ich gemeinsam mit anderern Zeichnern, die erst mittags abreisen, auf dem Platz um die Fontaine de Terrail.

After the Rendez-Vous du Carnet de Voyage I stayed in Clermont-Ferrand for a few days. On Monday I draw together with other sketchers, that only leave at noon, around the Fontaine de Terrail.

Am Dienstag stehe ich früh auf und fahre mit dem Bus nach Royat. Von dort laufe ich bis zur Talstation der Panoramabahn, die normalerweise auf den Puy de Dômes fährt. Im November hat die allerdings Pause. Es ist so neblig, dass ich maximal 50 m weit gucken kann. Ich laufe durch den Wald hoch zwischen die Vulkankuppen und auf den Puy Pariou. Ab einer bestimmten Höhe sind erst nur die Zweige der Bäume, später auch Gras, Steine, Schilder und alles mit einer scharkantigen, feinen Eisstruktur bedeckt. Ich steige an der Nordseite des Puy Pariou wieder durch schönen, nebeligen Wald ab und laufe bis Durtoil. Von dort fährt ein Bus zurück nach Clermont-Ferrand.

On Tuesday, I get up early and take the bus to Royat. From there I walk to the valley station of the panorama railway that normally goes up the Puy de Dômes, but is closed in November. It is so foggy that I can’t see more than 50 metres. I walk through the forest up between the volcanic peaks and onto Puy Pariou. From a certain height, first only the branches of the trees, later also grass, stones, signs and everything is covered with a rakish, fine ice structure. I descend on the north side of Puy Pariou again through beautiful, foggy forest and walk to Durtoil. From there, a bus takes me back to Clermont-Ferrand.

Am Mittwochmorgen sitze ich auf dem ‘Cimetière des Carmes’. Während ich zeichne, erscheint ein Mann, der selbst im Rentenalter ist und das Grab seiner Großmutter besucht, wie er mir später erzählt. Zunächst referiert er in einer Mischung aus Englisch und Französisch eine kurze Geschichte des Ortes: Die Kirche gehörte zu einem Karmelitinnenkloster, ‘Carmes’, das sich hier niedergelassen hat. Das lange Gebäude auf der rechten Seite – ich vermute, ein ehemaliges Klostergebäude – wird von der Firma Michelin als Schule für Mechaniker genutzt. Es war früher eine wichtige Einrichtung des Unternehmens, wird aber heute nur noch sporadisch genutzt. Er betonte die Rolle von Michelin als Unternehmen und Arbeitgeber für die Stadt. Er hat auch für Micheline gearbeitet, und vielleicht kennt er die Schule aus seiner eigenen Ausbildung. Er verabschiedet sich und nachdem ich meine Zeichnung beendet habe, entdecke ich direkt neben dem Friedhof das Michelin-Gebäude am Place du Carmes.

On Wednesday I am sitting on the ‘Cimetière des Carmes’. While I draw, a man appears, he, himself in an age post retirement, visits the grave of his grandmother, he later tells me. First he gives, in a mixture of english and french, a brief history of the place: The church belonged to a Convent of Carmelites, ‘Carmes’, that settled here. The long building at the right – I guess a former convent building – is used by the Michelin company as a school for mechanics. It used to be an important facility of the company, but is now only sporadically used. He emphasized the role of Michelin as company and employer for the city. He worked for Micheline too, and maybe he knows the school from his own education. He says goodbye and after I finish my drawing, I spot, right aside the cemetery, the Michelin-building at Place du Carmes.

Am frühen Nachmittag in der Nähe des historischen Zentrums – zwischen der Rue la Tour d’Auvrenge und dem Boulevard Desaix gibt es einen kleinen Platz mit einem Poseidon-Brunnen, Platanen und Bänken. Hier machen die Rider eines Essensauslieferers ihre Pausen. Auf der Bank hinter mir hören junge Menschen Musik und rauchen Gras. Leute führen Hunde aus.

After noon near the historical center – between the Rue la Tour d’Auvrenge and Boulevard Desaix is a small square with a Poseidon fountain, sycamore trees and benches. Food delivery riders take their breaks here. On the bench behind me, adolescents listen to music and smoke weed. Dogwalkers.

Ich sitze an einem Tisch vor dem ‘Coq Argenté’ am Place Saint Pierre, direkt gegenüber einer Markthalle. Es wird langsam dunkel, die Tische vor den Bistros am Platz werden rein geräumt und die Lieferautos der Marktleute tauchen auf.

I am sitting at a table in front of the ‘Coq Argenté’ on Place Saint Pierre, directly opposite a market hall. It is slowly getting dark, the tables in front of the bistros on the square are being cleared and the delivery cars of the market people appear.

Später in der (sehr netten) Bar ‘Le Bikini’ – erst ist es leer, der Wirt interessiert sich für meine Zeichnung und bald kommen Gäste, ein ‘Carnetist’ scheint hier kein ungewohnter Anblick, ich zeichne und unterhalte mich, nach einer Stunde leert sich die Kneipe wieder, und ich trinke ein letztes Bier, bevor ich ins Hotel gehe und früh am Morgen zurück nach Berlin fahre.

Later in the (very nice) bar ‘Le Bikini‘ – at first it’s empty, the landlord is interested in my drawing and soon guests arrive, a ‘carnetist’ doesn’t seem an unusual sight here, I draw and chat, after an hour the pub empties again and I have a last beer before going to the hotel and taking the train back to Berlin early next morning.

Rendez-Vous du Carnet de Voyage, November 2021

Dieses Jahr bin ich wieder nach Clermont-Ferrand zum Rendez-Vous du Carnet de Voyage gefahren.

This year I travelled to Clermont-Ferrand again to visit the Rendez-Vous du Carnet de Voyage.

Der erste Halt auf dem Weg war Köln, zum Frühstück im Starbucks am Hauptbahnhof.

First stop on the was Cologne, breakfast in Starbucks at Main Station.

Auf dem Weg von Paris nach Clermont-Ferrand im IC klemmt mein Gepäck ein wenig und ich bleibe im Vorraum, statt meinen Platz einzunehmen. gut gelaunte Schaffner verkaufen einem Mitreisenden ein Ticket, evtl. mit Gebühr (es gibt Diskussionen, die ich nicht verstehe, aber die Stimmung ist ok …)

On the way from Paris to Clermont-Ferrand in the IC, my luggage jams a bit and I stay in the vestibule instead of taking my seat. good-humoured conductors sell a ticket to a fellow passenger, possibly with a fee (there are discussions that I don’t understand, but the mood is ok …).

Nachdem ich am Abend im Hotel schon ersten Zeichnerkolleg:innen begegnet bin, baue ich am Donnerstag meinen Stand im Polydome auf. Ich stelle die Kanttuschen und das gerade dazu erschienene Buch vor.

On my arrival I already meet first drawing colleagues in the hotel and on the next morning I set up my stand in the Polydome. On this Rendez-Vous I present the Kanttuschen and my book on those .

Am Freitag, dem ersten Tag des Rendez-Vous kommen die Schulklassen und ich zeichne einige Portraits.

Friday, the first day of the Rendez-Vous the school classes come and I draw some portraits.

Ausserdem treffe ich viele lange-nicht-gesehene und neue Freunde. Abends sitze viele davon in der ‘1513 Creperie Grill’, zeichnen sich gegenseitig und schauen dann Skizzenbücher an.

Es folgen zwei weitere Tage des Rendez-Vous: Ich erkläre, notfalls mit Händen und Füssen, oft auch englisch oder deutsch verstehenden Gästen, was ich da so gemacht habe, präsentiere einer (englisch sprechenden) Schulklasse, gehe viel zu wenig andere Stände angucken und am Samstag mit allen Teilnehmern Essen. – Vielen Dank allen Organisatoren, dieses Festival ist toll,

In addition I meet a lot of long-time-not-seen and new friends. In the evening a lot of them sit in ‘Le 1513 Creperie Grill’, sketch each other and than view sketchbooks.

Two more days of the Rendez-Vous follow: I explain, if needed with hands and feet, but quite often english or german speaking visitors, what I am doing, present for an (english speaking) school class, go too rarely on visits to other stands (sorry for that!) and to the big dinner on saturday night. – big thanks to all organizers, this festival is great!

Nachdem wir am Sonntag alle unsere Stände abgebaut haben, gibt es Abends die Abschlussparty im Haus von Tazab. Ich bin das erste mal hier und es ist wunderbar, Freunde, Essen, Musik ….

Das Festival ist zu Ende, aber ich bleibe noch ein paar Tage in Clermont-Ferrand.

After we all have cleared our stands on sunday evening, there is the party at the house of Tazab. I am here for the first time and it is wonderful, friends, food, music …

The festival is finished, but I stay a few more days in Clermont-Ferrand.

Bleibtreustraße, 4 Oktober 2021

Letztes Jahr stand hier noch eine Kneipe, die war geschlossen und davor hatte sich ein Obdachloser häuslich eingerichtet. Fragenden Passanten erklärte er, dass die Kneipe nicht mehr aufmache, die komme weg. Das stimmt, heute ist dort ein Bauzaun aus Spanplatten vor dem blanken Grundstück.

Last year there was a pub here, it was closed and a homeless man had made himself at home in front of it. He explained to passers-by that the pub would not open again – it would be removed. That’s right, today there’s a construction fence made of chipboard in front of the cleared property.

Udagawa, 4 Oktober 2021, nach Zehn

Nach zehn hat das japanische Restaurant Udagawa in der Kantstraße zu und drinnen putzt der Koch die Küche. Als die sauber ist, kommt er mit einer Frau heraus und beide räumen die Tische, auf denen schon die umgedrehten Bierbänke liegen, vom Bürgersteig in den Laden.

After ten, the Japanese restaurant Udagawa on Kantstraße is closed and inside the cook is cleaning the kitchen. When it’s done, he and a woman come out and they move the tables, on which the beer benches are already upturned, from the pavement into the shop.

An der Spreemündung, 3 Oktober 2021

Der Uferstreifen zwischen Straße und Havel ist mit wildem Hopfen bewachsen. Zwei mal fahren große mit Steinkohle beladene Binnenschiffe von der Havel in die Spree ein, Richtung der Kraftwerke, und verschwinden tuckernd hinter dem Torhäuschen der leerstehenden ehemaligen Geschützgießerei an der Spreemündung.

The bank between the road and the Havel is overgrown with wild hops. Twice, large barges loaded with hard coal enter the Spree from the Havel in the direction of the power stations and disappear chugging behind the gatehouse of the empty former gun foundry at the mouth of the Spree.

Havel Altarm beim Fichtner Hafen, 26 September 2021

Heute Nachmittag fahre ich aus Berlin raus an die Havel zum Götzer Berg und laufe durch die Angelerteiche zum Fichtner Hafen und von dort auf einem Trampelpfad Richtung Havel. Je weiter ich laufe, desto zugewachsener und wilder wird der Pfad, ist am Ende kaum mehr zu erkennen, und ich bahne mir den Weg durch Sträucher, Brombeerern und Hagebutten. Es ist sumpfig, ein Baum von Bibern angefressen. Die Havel kann ich hinter hohem Schilf nur erahnen. Ich setze mich an einen Altarm und zeichne. Wasservogelgequake und Mückengesurre.

This afternoon I drive out of Berlin to the Havel at Götzer Berg and walk through the fishing ponds to Fichtner Hafen and from there along a trail towards the Havel. The further I walk, the more overgrown and wild the path becomes, hardly recognisable at the end, and I make my way through bushes, blackberries and rose hips. It is swampy, a tree has been eaten by beavers. I can only glimpse the Havel behind tall reeds. I sit down at an oxbow lake and draw. Waterfowl squawk and mosquitoes buzz.

Hat Bar, 9 September 2021

In der Hat Bar am Kantdreieck gibt es wieder Live Musik – Jeden Abend ab Neun eine offene Jamsession. Zum Glück hat die Bar den Lockdown überstanden. In einem Tonnengewölbe unter der S-Bahn ist die schmale Bühne gegenüber dem Tresen, an dem gibt es Cocktail und Whisky und Bier, und auf der schmalen Bühne spielen Carolyn De Rosario Klavier, Carmelo Leotta Bass und ein Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht weiß.

Live music is back at the Hat Bar at Kantdreieck – an open jam session every night from nine. Fortunately, the bar has survived the lockdown. In a barrel vault under the S-Bahn is the narrow stage opposite the bar, where there are cocktails and whisky and beer, and on stage Carolyn De Rosario plays piano, Carmelo Leotta bass and a drummer whose name I don’t know.

Ein nervös wirkender Mann spricht mit Pianistin und Bassist – er möchte Singen und scheint hier bekannt zu sein. auf der Bühne wirkt er auf einmal sehr present und ruhig und singt sicher und professionell.

A nervous-looking man talks to the pianist and bassist – he wants to sing and seems to be known here. on stage he suddenly seems very present and calm and sings confidently and professionally.

Nach seinem Auftritt wird er von einem sehr redseligen Mann, der mit seiner Familie an der Bar sitzt befragt. Sonst singt er nur auf der Straße. Da hat er seine Stellen. Leider redet der Familienmensch sehr viel und der Sänger kommt kaum zu Wort, schließlich geht die Familie und ich frage ihn, ob ich ihn zeichnen darf. Er willigt ein. Nach Reden ist ihm nicht. Er entschuldigt sich, er müsse klären, ob die Musiker seine Lieder können – scheint so – und er geht viel hin und her.

After his performance he is questioned by a very talkative man sitting at the bar with his family. Otherwise he only sings on the street. That’s where he has his spots. Unfortunately, the family man talks a lot and the singer hardly gets a word. Finally, the family leaves and I ask the singer if I can draw him. He agrees. He doesn’t feel like talking. He apologises, he has to clarify whether the musicians know his songs – it seems so – and he goes back and forth a lot.

Nacheinander singen zwei Frauen, sie lesen den Text von ihren Mobiltlefonen ab.

One after the other, two women sing, reading the lyrics from their mobile phones.

Das braucht er nicht. Er umklammert fest den Mikrofonständer und singt noch einmal.

He doesn’t need that, clutches the microphone stand tightly and sings again..

21 Sunsets, 23 Juli 2021

Dieses Jahr fällt das ‘Wassermusik-Festival’ aus, dafür gibt es ’21 Sunsets’ dh. kleine Konzerte mit lokalen, also spontaner buchbaren Musikern (+ Autoren und Filmen) auf der Dachterrasse des Haus der Kulturen der Welt, beides wie schon 2020. Auch wenn es um die Wassermusik natürlich sehr schade ist ist es eigentlich genauso toll, nur anders.

Freitag gehen wir zum 2ten mal hin.

Zuerst kommt Adi Amati, mit Tänzer, DJ und einem Feature, deren Namen ich vergessen habe …

In der Mitte Balita & the Dream Bus – wunderbar


Zum Schluß wird heftig getanzt (mit Masken ists draussen erlaubt) beim Soundsysten Freak de’l Afrique.

Es gibt noch viele der 21 Sunsets und hingehen ist gut.