Mauerstreifen im Wedding

2017 habe ich den Mauerstreifen im Wedding erkundet. Ich bin im Jahr 2000 nach Berlin gezogen, vorher war ich nur einmal, in den 90ern, hier. Ich habe die Mauer nie gesehen.
Ich bin in Westdeutschland, nahe der holländischen Grenze aufgewachsen. Über diese sind wir oft gefahren, an der Grenze gab es Kontrollen, das Schlimmste was passieren konnte, war ein Stau und das zuviel gekaufter Kaffee (oder so) entdeckt würde, lästig oder vielleicht auch ein kleiner Nervekitzel auf dem Weg in Nachbarländer mit anderer Sprache usw. Nach Ostdeutschland oder Osteuropa bin ich zu Zeiten des ‘kalten Krieges’ nicht gefahren (eine Fahrt 89 nach Magdeburg zählt nicht wirklich) – meine Ignoranz ist nicht mehr zu korrigieren. Nun suche ich eine Grenze, wie ich nie eine kennengelernt habe und finde wenige Spuren.

An einem langen Sommerabend bei den Liesenbrücken. Dunkler Schatten unter den ruinösen Eisenträgern, Jogger laufen regelmäßig an mir vorbei.

Auf der anderen Seite der Schienen ist der St. Hedwig Friedhof. Längs der Liesenstraße, an der Brücke ist noch ein Teil des ‘vorderen Sperrelementes’ erhalten, auf dem Friedhof noch ein Stück Hinterlandmauer. Längs der Liesenstraße wurden die Gräber auf 40 m Breite abgeräumt. In Gleisnähe ist zur Zeit auf diesem Streifen der Komposthaufen des Friedhofes – dort sitze ich bei einsetzendem Regen und schaue in Richtung der Brücken.

Weiter die Liesenstraße hinunter. Hier an der Ecke zur Chausseestraße, wo der gleichnamige Grenzübergang war, ist jetze eine Total-Tankstelle. Rote Rücklichter der tankenden Autos und in der beleuchteten Kassenhalle gibt es auch Kaffeee und so. ‘Willkommen’, steht auf dem Schild vorne

Wieder zurück, von der Brücke den Park am Nordbahnhof (auf den Gleisen des abgerissenen Nord-, bzw, Stettiner Bahnhofs) entlang zum S Bahnhof Nordbahnhof. Am nördlichen Eingang ist der ‘Wall-Kiosk (der Schriftzug auf gedrucktem Backsteinwand-Hintergrund, ‘wall’ halt). Es gibt alles Mögliche, Essen, Trinken, Souveniers. Der Betreiber quatscht mit einem Gast in der Abendsonne. Ein paar Wochen vorher habe ich hier eine bereits stark vergilbte Karte mit dem zur Drucklegung bereits ehemaligen Mauerverlauf gekauft. Die war hilfreich

Mittag

Ich esse Fisch im ‘New Asia Food’ in der Danckelmannstraße – als einziger Gast vor Ort. Der Wirt hat neuerdings einen imposanten grauen Bart. Leider sieht man den nicht, wenn er hinter seiner hohen Theke sitzt. Dort arbeitet er konzentriert irgendwas und nimmt ab und zu telefonische Bestellungen entgegen die ab und zu – von der Frau in der Küche weiter hinten gekocht – abgeholt werden.

Lunch break at ‘New Asia Food’ in Danckelmannstrasse – I am the only guest inside. The host has grown an impressive beard lately. Unfortunately, it is currently hidden behind the counter. There he is working and, from time to time, receives orders via phone, that are picked up by take away guest from time to time – all cooked by the lady in the kitchen in the back.

Hochufer

Ich bin zum ersten Mal – für ein Wochenende – auf Rügen. Es ist stürmisch. Vormittags regnet es waagrecht. Unser Ferienhäuschen ist am östlichen Rand des Jasmunder Nationalparkes, am Hochufer. Ein steiler Hang zwischen Hochweg und Ufer ist mit Buchen bewachsen, dazwischen sieht man die Ostsee. Wellen klatschen auf die Felsen am Strand.

I am on the island Ruegen for the first time. It is stormy, in the morning rain falls horizontal. Our holiday house is by the ‘Hochufer’. A steep slope between path and coastside is overgrown by beech trees. Inbetween the baltic sea. Waves splash on the rocks on the beach.

ZOB | 2. März 2019

Die Randüberdachung ist skelettiert. Am Bauzaun direkt vor dem Ausgang der Wartehalle weisen Planen mit informativen Piktogrammen und Pfeilen Reisende in Richtungen.

[Reklame:] Meine betexteten Bilder vom ZOB gibt es auch als Buch.

The side roofing is skeletonized. Posters on the site fence in front of the waiting halls exit got pictograms and arrows to point travellers towards directions.

[advert:] texts and images from ZOB are in a book.

Suppe

Im Kühlschrank ist noch ein halber Hokaido Kürbis.

Während Kartoffeln, Lorbeer und später noch ein paar Möhren kochen, habe ich etwas Zeit.

Kürbis, Sellerie, Knoblauch, Pepperoni und Ingwer muss ich hin und wieder wenden. Dann kommen Pepperoni und Lorbeer raus und sonst alles in den Topf und unter den Pürierstab.

U9

Ich muß in den Wedding (Schlüssel fürs povvera abholen, um dort meine Ausstellung aufzuhängen, deren Eröffnung übrigens Freitag ist)  und bin zu spät dran, um es noch mit dem Rad zu schaffen. Das lasse ich daher am Zoo und gehe ganz runter, zur U9.

I got to go to Wedding (to get the keys of povvera, where I will hang my exhibit, that opens on Friday, by the way) and I am too late, to make it by bike. I leave it at station Zoo and go down to U9 underground line.

In Richtung Norden ist die Bahn voll. Die meisten Fahrgäste gucken auf Telefone oder Bücher. Ein Mann, der zu der Frau mit Kind zu gehören scheint, bekommt mit, dass ich zeichne. Er stellt sich einen Meter vor mich und schaut mich böse an. Ich überlege ob ich sprechen soll, lasse es aber (soll er doch) und zeichne weiter. Nicht ihn, sondern Andere und er geht wieder weg.

Direction north the train is stuffed. Most passengers view phones or books. The man that seems to belong to the woman with child spots me drawing, positions himself in front of me and stares. I wonder if I should talk, but do not (shall he _ ) and keep drawing, not him, but others and he goes away.

Zurück ist es leerer, ein Typ beschäftigt sich gestenreich nachdenkend mit dem Mobilgerät, ein Anderer läßt nur seinen Körper transportieren, sein Geist klemmt zwischen hochwertigen Kopfhörern.

Direction back it is more empty, one guy deals with his device, pensive gesticulating, another one only transports his body, his mind is jammed between high end headphones.

Ausstellung: ZOB tuschen

Seit Herbst 2015 zeichne ich regelmäßig immer wieder 1 Stunde im Berliner Busbahnhof. Jetzt zeige ich die dabei entstandenen Skizzen im povvera in Charlottenburg, fast in Sichtweite des ZOB. Außerdem präsentiere ich das gerade in Zusammenarbeit mit Pushing your Sketching Boundaries erschienenes Buch ‘Eine Stunde Aufenthalt | One hour wait’

Zur Eröffnung am 7. Dezember um 19:00 in der Philippistr. 7, 14059 Berlin lade ich herzlich ein!

Die Ausstellung wird noch am Samstag, 8.Dezember von 12-17:00 zu sehen sein.

Since autumn 2015 I regularly draw – one hour at a time – at the Berlin Main Busstation. Now I show these sketches at povvera in Charlottenburg, nearly in sight of ZOB. In addition I will present the book ‘Eine Stunde Aufenthalt | One hour wait’, just published in collaboration with Pushing your Sketching Boundaries

I would like to invite to the opening at 7 December, 07:00 pm in Phillippistr. 7, 14059 Berlin!

The exhibition can even be seen at Saturday, 8 December, 12:00 am – 05:00 pm.