# kiez

Gekrakel aus dem Wohnumfeld (Klausenerplatz-Kiez, Charlottenburg):

Den Kiezflohmarkt hätten wir beinahe verpasst – allerdings steht immer ein ganzer Haufen aussortiertes Gerümpel bereit. Ich schnappe mir einen etwas abgenutzten (aber noch sehr brauchbaren!) Kinderschreibtisch, trage den in die Danckelmannstrasse und verschanze mich dahinter mit meinem Zeichenpapier. Diverse Bücher und Spiele liefert die Familie nach, wir wollen hauptsächlich loswerden und verlangen maximal symbolische Beträge während am Nachbarstand ernsthafter gehandelt wird.

Den Schreibtisch (der übrigens, wie gesagt noch sehr brauchbar und außerdem höhenverstellbar ist (bei Interesse einfach Kommentar schreiben)) tragen wir nachmittags wieder zurück in unsere Wohnung.

Der Bürgersteig der Nehringstrasse abends, während ich zeichne wird es dunkler. Graubunt und rot.

 

Diesen Imbiss in der Dankelmannstrasse gibt es jetzt schon min 10 Jahre. Er wird von einem Paar betrieben. Er wirkt etwas eulenartig, aber die missgelaunte Anmutung täuscht, zumindest ist er nicht unfreundlich. Und sie ist nett.

Über einem großen Edelstahlkühlschrank hängt ein gerahmtes Schwarzweißfoto eines traditionell asiatisch gewandeten verwitterten Mannes, der eine asketische Autorität ausstrahlt. Direkt daneben ist eine Überwachungskamera und darunter liegt ein Glaskugel. An dem ohnehin tresorartig anmutenden Kühlschrank steht ‘privat’ – der Getränkekühlschrank daneben ist wohl öffentlich. Darauf steht noch eine kleinere und modernere Kamera. Der ganze Theken-Küchen-Komplex wirkt gut befestigt und wehrhaft.

Das  – deftige und leckere – Essen kommt trotz ‘Selbstbedienung’ an den Tisch.

Zwischen den Blüten des Baumes in unserem Hof hängen noch verschrumpelte Früchte vom Vorjahr. Die Äpfel sind kirschgroß.

Am Freitag ist plötzlich gleich Sommer und man muß raus. Erst zum kretischen Restaurant an der Ecke und dann in den Biergarten der Kastanie, Weißwein trinken.


Freitagabend ist kein Platz mehr an der Theke, nur ganz hinten in der Ecke ist ein Tisch frei. An zwei Nebentischen wird Karten gespielt. Wer gerade nicht spielt, schaut einem anderen Spieler gespannt in die Karten.

Zum Frühling sind die Hosen auf dem Wochenmarkt auf dem Klausenerplatz berfuß und halb bauchfrei.

In spring the pants on Klausenerplatz weekly market have bare feet and bellies.

 

Zu Mittag am Donnerstag im Cafe Feyza. Der Laden an der Ecke nah unserer Wohnung wechselte über die Jahre den Schwerpunkt vom Minikiosk direkt an der Ecke – Büdchen also – über Universal-Dienstleister – Packetpost, Geldtransfer, Zeitung, Kaffee –  im grösseren Laden daneben, zum Café mit ein bisschen Kiosk ebenda und jetzt. Dieses mag ich sehr.

Selbstgebackenes zum Tee. Auf dem Tisch Orchideen – Plastik und Stoff, die Sonne strahlt durch Schaufenster und Vase und macht rosa Flecken in den Schatten.

Frost, aber viele trinken ihren Kaffee trotzdem vor dem Brotgarten. Ich auch.

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_schützt die Markise vor dem Regen. Der Zeitungsverkäufer trägt unter seiner Tagesspiegel-Jacke eine wattierte Weste und läuft ab und zu auf und ab. Die Jogger in der Brötchenschlange sind naß.