# berlin

Gekrakel aus dem Wohnort:

Freitagabend ist kein Platz mehr an der Theke, nur ganz hinten in der Ecke ist ein Tisch frei. An zwei Nebentischen wird Karten gespielt. Wer gerade nicht spielt, schaut einem anderen Spieler gespannt in die Karten.

Katya Tasheva – vocals, Vladimir Karparov – sax,  arrangements, Daniel Stawinski – piano, Robin Draganic – bass, Philipp Bernhardt – drums, Donnerstag Abend im gedrängt vollen Zig-Zag-Jazz-Club in Schöneberg.

Ich finde einen Platz seitlich an der Theke und es gibt Svijani vom Fass.

I got a seat aside at the bar and there is Svijani from tap.

Neben der Straße ‘am Nordufer’ läuft ein schmaler Pfad am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang. Gegenüber der letzte Kran des Westhafen am Kanal in Richtung Nordhafen. Heute, am Sonntag, liegt dort kein Schiff, ab und zu laufen Jogger oder Menschen mit ihren Hunden den Pfad entlang, erst als ich zurück zur Föhrer Brücke laufe begegnet mir ein erstes Schiff, ein Schubschiff, ohne Bargen.

Eine alte Bahn. Kurze Bänke in dem Stück zwischen Tür und Wagenkupplung. Man sieht durch die Fenster neben den verschlossenen Türen in den Nachbarwagen, wie in einen Spiegel, nur die Menschen sind Andere.

On U1 line there are still a lot of old trains, where you cannot walk through between the wagons. Aside of the locked doors there are windows, where you see the other wagon like your own in a mirror. Only people differ.

Im eigenen Wagen wechseln Fahrgäste. Sie begegnen sich kurz in der Tür, nur im Bild sitzen sie nebeneinander.

Fom my own wagon people descend, meeting a person, they than sit aside of, only in my sketch.

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Richtung Kreuzberg in der U2. Beim Umsteigen am Gleisdreieck kommt ein dünner Typ mit zwei quergesteppten Daunenjacken übereinander die Treppen zum Bahnsteig der U1 hoch – die untere schwarz und knielang, die oberer kürzer in pixeligem Camouflage-Muster.

In der U-Bahn erklärt er, dass er jetzt schon einige Tage draussen sei und ein wenig Geld brauche, um mal wieder eine Nacht warm zu schlafen, deshalb wäre er nun wieder zur motz, das wäre dann auch irgendwie gut, denn er hätte mal wieder ein paar Leute getroffen. Überhaupt könne er gegen die Leute nichts sagen, da müsse er sogar der motz widersprechen, die gerade die Missstände bei der Kältehilfe anprangere, man müsse vor allem erstmal dankbar sein, bei Leuten, die ohne dass sie was davon hätten helfen, das wolle er vor Allem sagen.

Er geht rum, in der einen Hand eine abgegriffene Ausgabe der motz, die er nicht zum Verkauf anbietet. Ich will ihm was geben, habe aber nur 10 und 20 Cent-Münzen. Der Zug hält. Er will in den nächsten Wagen (auf der U1 fahren noch viel alte Züge, bei denen man nicht zwischen den Wagen durchgehen kann), nimmt meine 40 Cent, mehr gab es nicht in diesem Wagen, und bedankt sich beim Aussteigen überschwänglich.

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Zurück vom Kottbusser Tor ist die U1 sehr voll, ich stehe. Es wird leerer, die Buchleserin links unter mir steht auf, geht zur Tür und steht hinter mir – ich bin nervös. Als ich das letzte mal auf dieser Strecke gezeichnet habe, wollte mich ein Typ deswegen anzeigen – weswegen – ich hätte nicht gefragt. Ich habe ihn gar nicht gezeichnet, aber vielleicht seine Tochter, zumindest eine junge Frau, die gesehen hatte, was ich mache und der es egal war. Er habe mich fotografiert, als Beweis,  ‘Wenn die Zeichnung irgendwo auftaucht, kassieren Sie eine Anzeige’.

Heute sagt die Leserin vor dem Aussteigen etwas Nettes. Schön!

Hinten im Schlosspark führt ein Trampelpfad an das Ufer eines bewachsenen Grabens. Um fünf Uhr ist der Himmel hinter den Silhouetten der Bäume fahl gelb, nur einig Blätter scheinen orange im graublau.

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Früher besaß ich mal eine (Vinyl)-LP von Dollar Brand. Ich wurde kein Fan, dazu war mir die Musik zu zurückgenommen und ‘old school’, dennoch habe ich sie manchmal sehr genossen.

Nun kam Abdullah Ibrahim (wie er heute heisst) mit dem Septett Ekaya zum Wassermusik-Festival am HKW.

Auf seinem Flügel platzierte Ibrahim eine A4-Kladde mit einem kleinen Blumenmotiv auf dem Umschlag. Er öffnete sie später und schaute auch hin und wieder drauf, Noten waren es nicht, sondern mit Handschrift ausführlich gefüllte Seiten.

Auch wenn es immer noch nicht ‘meine Musik’ ist, berührte mich der entspannte und perfektionistische Auftritt.

Device user and print reader in Berlin underground train of U2 line on Saturday.

Samstags ist Markt auf dem Boxhagener Platz in Friedrichshain. Wochenmarktübliche und exotischere Lebensmittel und jede Menge Essen-und-Trinken-Stände.